Die norwegische Außentoilette

Achtung! Wer keine Toilettengeschichten mag, der sollte diesen Artikel am besten einfach überspringen und ignorieren. Allen Anderen biete ich einen interessanten Einblick.

Die Außentoilette liegt etwa 50 Schritte von der Haustüre entfernt, zwischen Bäumen und mitten im Schnee .

Im Dunkeln sollte man auf jeden Fall eine Taschenlampe oder noch besser eine Stirnlampe dabei haben.

Erstens, um den Weg zur Toilette überhaupt zu finden und dabei nicht im Tiefschnee zu landen, wobei das sogar mit Lampe häufig nicht so funktioniert. Zweitens, um innerhalb des Toilettenhäuschens die Styroporklobrille zu erkennen, auf der man glücklicherweise auch nicht bei den tiefsten Temperaturen mit dem Popo festfriert. Drittens,  um sicherzugehen, dass der braune stetig wachsende Haufen innerhalb der Toilette nicht schon über den Rand der Klobrille hinaus ragt  und man sich davor zu bewahren sich nicht direkt daraufzusetzen. Und
viertens, um abschließend den eigenen Haufen fein säuberlich mit einer Schippe Holzspäne bestreuen zu können und dann diesen frischen Haufen mit einem Stock von der gefrorenen Haufenspitze in den Abgrund stoßen zu können, damit der nachfolgende Toilettenbesucher keine böse Überraschung erlebt und sich auf deinen, bis dahin gefrorenen Haufen setzen muss.

Der Einblick:

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Wenn man auf die Toilette muss, dann sollte man das grundsätzlich früh genug planen, denn warme Kleidung ist ein Muss, wenn man auf dem Weg zur Toilette nicht erfrieren will. Und bis die Jacke, Mütze, der Schal, die Schneehose, die dicken Schneeschuhe und Handschuhe angezogen sind, da vergeht schon eine ganze Weile.
Irgendwie ist das schon seltsam, wenn man bei minus 20 Grad im Dunkeln seinen Hintern entblößen muss, aber erstaunlicherweise hält die Styroporklobrille warm und man friert dort nicht fest.
Auch wenn du nur wenige Minuten draußen im Kalten bist, brauchst du immer Handschuhe. Schwierig wird es allerdings dann, sobald du das Klopapier in die Hand nimmst und dir den Hintern abwischen willst. Mit Handschuhen ist das nicht so ganz einfach, wie ich feststellen musste.

Ganz ohne Handschuhe würde ich aber nicht empfehlen rauszugehen, da es sonst passieren kann, dass die Finger auf dem Weg bis zur Toilette so kalt sind, dass du kein Gefühl mehr hast und dir dann ebenfalls nicht den Hintern abwischen kannst. Das natürliche Handwaschbecken liegt glücklicherweise großflächig um die Toilette verteilt – der Schnee.
Freunde der Toilettenlektüre muss ich leider enttäuschen. Es kommt nicht mal annähernd ein Gefühl der Behaglichkeit oder Entspannung auf, sodass man gar nicht erst auf die Idee kommen könnte, ein paar Seiten in seinem aktuellen Buch oder einer Zeitschrift zu blättern. Dafür können sich aber alle Naturliebhaber freuen. Solch einen tollen Ausblick hatten bisher bestimmt nur die Wenigsten.
Nachts  kannst du den Sternenhimmel beobachten und ggf. sogar eine Sternschnuppe sehen – in diesem Fall sollte man sich am besten wünschen, dass noch genügend Klopapier da ist.

Der Ausblick:

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Es stinkt auch nicht (zumindest im Winter), da durch die natürliche Belüftung sofort alles verweht wird. An den Anblick meines stark dampfenden Haufens  auf dem Gipfel eines gefrorenen Scheißeberges kann und will ich mich jedoch bis heute nicht recht gewöhnen und ich kann es auch jedes Mal kaum erwarten, mir anschließend den Stock zu schnappen, die gerade erzeugte Dampfwurst mit meiner Stirnlampe anzuleuchten, diese mit Holzspänen zu bestreuen und ihr dann den Stoß vom Gipfel zu verpassen, um sie zu  seinen gefrorenen Kumpels ins Tal zu befördern.
Achja, ich sehne mich nach meiner weißen, warmen, sauberen Toilette mit Wasserspülung auf Knopfdruck.

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