Bangkok – Erster Tag in der Stadt der Engel

Vom Pier in Chumpon aus braucht der Lompraya Bus ca. 7 Stunden bis nach Bangkok. Der Bus macht nach etwa 2 Stunden einen Zwischenstopp an einer Raststätte, wo man Essen kaufen und die Toilette benutzen kann. Die restliche Zeit ist eine Geduldsprobe für das Sitzfleisch. Durch die Klimaanlage wird es mit der Zeit etwas kühl im Bus und daher ist lange Kleidung von Vorteil. Außerdem empfehle ich im Vorfeld am Bus-Check-In am Pier in Chumpon einen Sitzplatz in der ersten Sitzreihe zu reservieren, da man hier deutlich mehr Beinfreiheit hat.

Ankunft in Bangkok in der Nähe der Khao San Road

In Bangkok wurden wir ganz in der Nähe von der Khao San Road (ca. 500m) rausgelassen. Darüber war ich sehr dankbar und so konnte ich die vielen Taxifahrer, die sich auf uns ahnungslosen und überforderten Touris stürzten, links liegen lassen und ihre überteuerten Angebote ablehnen. Noch ohne Kenntnis über meine Unterkunft für diese Nacht marschierte ich mit meinen Rucksäcken in Richtung Khao San Road und ließ mich von dem Nachtleben in Bangkok berieseln. Es war nun ca. halb 9 Uhr abends, die Straßen hell erleuchtet und überall gab es etwas zu sehen.

Bangkok – Khao San Road

Die Khao San Road ist kaum zu übersehen. Menschen, Menschen, Menschen. Leuchtreklamen, Bars, Unterkünfte, Tattoo-Shops, Massage-Salons und sehr viele Straßenstände, bei denen alles Mögliche verkauft wird, wie Kleidung, Musik, Taschen, Schuhe und diverses Essen, u.a. auch Stände mit gegrillten Skorpionen, Maden und sonstigen Insekten (ein Foto kostet extra).

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Man kann sich mitten auf der Straße die Füße massieren lassen und mal ebenso ein Tattoo stechen lassen. Aus einigen Bars dröhnt laute Musik und mir ist schnell klar geworden, dass ich mir keine Unterkunft in dieser Straße anschauen würde, da ich auf eine halbwegs erholsame Nacht hoffte. 

Die Khao San Road endet nach ca. 500 Metern. Für meine Suche nach einer geeigneten Unterkunft entschloss ich mich in einer der weniger frequentierten Querstraße zu suchen. Doch schon die erste Unterkunft stellte sich als muffige Absteige mit ungewohnt unfreundlichem Personal heraus und ich war froh, dort schnell wieder raus zu sein. 

Gemütliches und sauberes Hostel in der Nähe der Khao San Road

Zwei Parallelstraßen von der Khao San Road entfernt fand ich dann unerwarteterweise ein kleines sehr nettes Hostel – Rang Kha Mhin Homestay (gegenüber vom Nap Park Hostel) – mit sehr freundlichen Gastgebern. Im Eingangsbereich gibt es einen Bereich für die Rezeption, ein Café und einen Bereich für Massage. Alles ist liebevoll dekoriert und in angenehm hellen Pastelltönen gehalten.

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Ein Schlafplatz in einem Zweibettzimmer oder auch Vierbettzimmer kostet 375 THB, das sind ungefähr 8€. Das Gemeinschaftsbad liegt im Flur. Alles ist sauber und im Zimmer riecht es nach Holz. Ich fühlte mich sofort wohl und buchte hier meine erste Nacht in Bangkok. Kostenloses Wifi gibt es ebenfalls. Das Frühstück im Hostel-eigenen Café am nächsten Morgen war ebenfalls gut, auch wenn etwas überteuert. Wer aufgeschlossen ist, dem bietet sich beim Frühstück dann auch schnell die Gelegenheit, sich mit den anderen Backpackern auszutauschen.

Als ich an diesem Morgen die Füße vor die Türe setze ist die Straße wie verwandelt und mir ist schnell klar, dass ich diese Unterkunft tagsüber niemals gefunden hätte. Irgendwo dazwischen, mittendrin in diesem Chaos von Verkaufsständen, die den kompletten Bürgersteig bis auf den letzten Zentimeter ausnutzen, um ihre Waren anzubieten, ist der Eingang zum Hostel.

 

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Sightseeingtour durch Bangkok für nur 20 Baht

Nach meinem stärkenden Frühstück habe ich mich auf den Weg gemacht, um die Umgebung rund um die Khao San Road zu erkunden und irgendwoher eine Straßenkarte von Bangkok zu ergattern.

Mit meinen blonden Haaren, den Flip Flops und meinem Rucksack auf dem Rücken bin ich als Touristin natürlich nicht sonderlich schwer auszumachen und so war es auch nicht verwunderlich, dass ich schon nach kurzer Zeit von einem freundlichen Thai angesprochen wurde. Ich bin es ja mittlerweile hier schon gewohnt und lasse mich auch gerne auf ein kurzes Schwätzchen ein, auch wenn ich weiß, dass es in den meisten Fällen ein Schlepper ist. Aber man weiß ja nie, ob man nicht doch einen wertvollen Tipp erhält. 

Er erklärte mir, wo ich einen guten Stadtplan von Bangkok bekommen würde und welche Tempel ich mir auf jeden Fall anschauen sollte. Er malte mir zu einigen Tempeln ein paar Skizzen in mein Notizbuch und erklärte mir, dass heute ein ganz besonderer Tag sei. 

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Stories und Ausreden eines Schleppers um ahnungslose Touristen anzulocken

Heute sei ein wirklich besonderer Tag und ich hätte Glück, erklärte mir der freundliche Thai in erstaunlich gutem Englisch. Nur heute sei es extrem günstig mit einem Tuk Tuk zu fahren, da aufgrund des Geburtstages vom König heute Benzin verschenkt werden würde. Was weiß denn ich wann der König Geburtstag hat und ob dieser an diesem Tag tatsächlich Benzin verschenken würde? Das dachte sich der Kerl wohl auch. Er erklärte mir, dass ich für nur 20 Baht, also nicht mal 0,50€ mit dem Tuk Tuk zu den verschiedenen Tempeln gefahren werde würde, mir die Tempel anschauen könnte und der Tuk Tuk Fahrer jedes Mal auf mich warten würde. Und auf dem Weg würde er dann auch noch beim Thai Export halten, wo ich mir eine Karte von Bangkok kaufen könne. 

Gerade, als ich mich dankend von ihm verabschieden wollte, winkte er auch schon ein Tuk Tuk herbei, von dem er sich das gerade Gesagte noch mal bestätigen lies.

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Keine Frage, ich war skeptisch. Ich hatte schon diverse Stories von Touristen gehört, denen ähnlich verrückte Stories aufgetischt wurden und die mit unglaublich günstigen Tuk Tuk-Fahrten angelockt wurden, um letztendlich ihr Geld für gefälschten Schmuck oder überteuerte Kleidung auszugeben.

Andererseits hatte ich noch keine Pläne für den Tag und wirklich etwas zu verlieren hatte ich auch nicht. Also lies ich mich auf dieses Abenteuer ein und tuckerte mit dem dreirädrigen Tuk Tuk durch das versmogte, laute und stinkende Bangkok. Es war eigentlich ganz nett, denn so bekam ich an meinem ersten Tag in Bangkok auch gleich was von der Stadt zu sehen. Der erste Stopp war tatsächlich an einem eindrucksvollen Ort, dem Wat Indrawihan, einem buddhistischen Tempel mit einer 32 Meter hohen Buddha Statue.

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Begeistert und mit einigen Fotos in der Tasche ging ich zurück zu meinem Tuk Tuk Fahrer und er hatte tatsächlich auf mich gewartet. Die Sightseeingtour via Tuk Tuk durch Bangkok ging also weiter.

Die nächste Tempelanlage war jedoch klein und wirkte menschenleer und ich schien hier der einzige Tourist zu sein. Irgendwie schon seltsam in einer 8 Millionen Stadt, wie Bangkok.

Ich wurde zu einem Tempeleingang geführt, der erst noch aufgeschlossen werden musste. Es wurde das Licht eingeschaltet und nun sah ich einige Buddhastatuen in einem unspektakulären Raum. Der nette Mensch, der mir die Türe aufgeschlossen hatte deutete auf meine Kamera und ich solle gerne Bilder machen, also tat ich es.

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Danach führte er mich zum nebenstehenden Gebäude und erklärte mir, dass dieses nur den Mönchen vorbehalten sei und keine Touristen betreten dürfen. Aber er öffnete von außen mühsam ein Fenster für mich und ich konnte hineinschauen und durfte auch hier wieder Fotos machen. Irgendwie war das alles seltsam und dennoch auch lustig und interessant. 

Zurück bei meinem Tuk Tuk Fahrer erklärte er mir, dass er mich nun zum Thai Export bringen würde – aha, nun schlug wohl die Touristenfalle zu 😉 – und danach zum nächsten Tempel. Der besagte Thai Export entpuppte sich dann als thailändische Schneiderei und ich erinnerte mich sofort an mein Erlebnis mit dem Taxifahrer vor drei Monaten in Phuket, der mich zu den verschiedensten Souveniersshops brachte, um eine Provision zu kassieren. Und so war es wohl dann auch diesmal. Ich erklärte dem netten Schneider in diesem Geschäft, dass ich momentan keinen Wintermantel für Deutschland benötigen würde, weil ich erst noch nach Australien reise. Woraufhin er konterte, dass er den Mantel auch ohne Weiteres nach Deutschland schicken könne. Aha, nun war mir auch klar, warum es Thai Export hieß. Ich verließ den Laden ohne Mantel und ließ mich zum nächsten Tempel, den Wat Benchamabophit, fahren. Die gesamte Anlage schien groß und eindrucksvoll und als ich in Richtung Eingang lief versammelten sich dort auf einmal viele Menschen und in der Mitte sah einen Mönch. Irgendetwas wurde hier gefeiert, nur leider hatte ich überhaupt keine Ahnung, was genau gefeiert wurde – es hatte irgendetwas mit dem Mönch zu tun.

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Der Mönch schien irgendwelche Worte zu sprechen und fing dann auf einmal an bunte Plastikblumen in die Luft zu werfen. Es klirrte, als die Blumen auf dem Boden eintrafen und die Masse an Menschen stürmte lachend und kreischend drauf zu und versuchten möglichst viele zu ergattern. Ein anderer Tourist stand neben mir und wir schauten uns fragend an. Er hatte ebenfalls eine solche Blume gefangen und es stellte sich heraus, dass darin 1 Baht verpackt war.

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Kurze Zeit später löste sich die Gruppe auf und vereinzelte Personen kamen zu uns und schenkten uns ebenfalls ein paar dieser Blumen. Ich schaute mir daraufhin den Rest der Anlage von außen an. Betreten wollte ich den Tempel nicht, da ich mir mit meiner kurzen Hose und meinem Shirt zu schäbig vorkam.

 

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Die nächsten zwei Stopps mit meinem Tuk Tuk endeten ebenfalls in jeweils einem Touristen-Shop. Der erste war wieder eine Schneiderei, nur diesmal deutlich größer. Es standen noch einige andere Tuk Tuks vor dem Geschäft und die Fahrer grinsten, als wir angefahren kamen. Im Geschäft selbst waren die ebenfalls „scheinbar veräppelten“ Touristen schnell ausgemacht. Sie sahen aus, wie ich. Mit Flip Flops, kurzen Hosen, Sonnenbrand und Rucksack und sie versuchten genauso, wie ich, unauffällig die Verkäufer abzuwimmeln, ohne sich etwas anmerken zu lassen, damit der Tuk Tuk Fahrer ja seine Provision kassiert und wir günstig unsere Tour bezahlt bekommen. Was für ein Schauspiel! Ich habe wirklich keine Ahnung, wie das alles hier läuft und wie das mit der Provision funktioniert, dennoch irgendwie interessant. Der letzte Shop war ein Schmuckgeschäft und hier spielte ich das Spiel des interessierten Kunden wohl am besten, obwohl ich gar nicht weiß, ob es überhaupt notwendig gewesen wäre. Dann erklärte ich meinem treuen Tuk Tuk Fahrer, dass er mich doch nun bitte wieder zurück zur Khao San Road fahren solle, was er dann auch tat. Ich gab ihm die vereinbarten 20 Baht und freute mich über diese lustige, aber auch wirklich interessante Sightseeing-Tour mit Tuk Tuk für weniger als 0,50€.

 Und hier war ich nun wieder auf der berühmten Khao San Road im Backpacker-Ghetto von Bangkok.

 

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Unfassbar sind für mich immer wieder die vielen Stromleitungen in Thailand, die alle oberirdisch geführt werden. Es gleicht einem riesigen Kabelsalat und doch scheinen die Thais es hinbekommen, hier den Überblick zu bewahren. Auf diesem Bild sieht es sogar noch recht geordnet aus 😀

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Erkundungstouren zu Fuß durch Bangkok sind immer ein Abenteuer

Am Abend machte ich mich erneut auf den Weg mit dem Ziel das Ufer des Flusses Chao Phraya zu erreichen, was mir jedoch nicht gelang. Stattdessen landete ich beim Verteidigungsministerium, welches eindrucksvoll beleuchtet, mit bunten Wasserspielen zur Musik von James Bond und ähnlichem präsentiert wurde.

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Auf der Gegenüberliegenden Seite leuchteten die Türme der riesigen und eindrucksvollen Tempelanlage des Wat Phra Kaew, die ich mir bei Tageslicht noch mal genauer anschauen möchte.

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Auf meinem Rückweg schlenderte ich über einen Nachtmarkt, auf dem ich die einzige nicht-Asiatin gewesen zu sein mag. Es gab hier die verrücktesten Sachen und es wirkte auf mich häufig eher wie ein Ersatzteilelager für Handys, Motorräder und Autos. Es gab hier Stoßdämpfer, Motorenteile und sogar gebrauchte Lenkräder für Autos. Außerdem wurden diverse Kleidungsstücke verkauft und sogar alte, gebrauchte Turnschuhe zu recht hohem Preis. An einigen Ständen wurden lebendige Tiere, wie Hunde, Katzen und Nagetieren zum Verkauf angeboten und es gab auch hier wieder essbare Insekten. Auch Fernseher, Küchenmixer und Haar-Glätteisen konnte man hier kaufen. Und wer mitten auf diesem Nachtmarkt auf einmal die Lust verspürte sich die Haare schneiden zu lassen – kein Problem. Und auch wer sich gerne die Fingernägel aufhübchen lassen wollte – auf dem Nachtmarkt ist das möglich. Ich ging sogar an einem Stand vorbei bei dem eine Gruppe auf dem Boden saß und eine Tätowierung vorbereiteten. Über die Hygienezustände wollte ich mir gar keine Gedanken machen.

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Mein Hunger meldete sich dann irgendwann zu Wort und so kaufte ich mir an einem Essensstand lecker aussehende Bällchen. Die Dame meinte, dass seien Bällchen aus sticky rice (Klebreis) mit Kokos. Das hörte sich gut an und so kaufte ich mir für 20 Baht einige. Lecker waren sie tatsächlich, doch nach dem zweiten Bissen tat sich eine Füllung auf, die mit Pfeffer gefüllt war. Seltsame Kombination – außen süß und innen scharf.

Dieses Land ist einfach verrückt und dennoch habe ich es lieben gelernt.

One thought on “Bangkok – Erster Tag in der Stadt der Engel”

  1. Liebe Alice ich kann nur staunen über Deinen Mut, wann und wo Du Dich bewegst, Deine Bilder sind einfach wundervoll, bin sooooo begeistert. Sie nur zu das Du gesund bleibst.Omi und ich denken oft an Dich –Dein Opa mit vielen Grüßen und Bussis

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