Mutter-Kind-Dengue-Fieber in Thailand

Das Leben hält immer wieder neue Überraschungen bereit. Und so auch diesmal. Für ganze vier Wochen sollte mich meine Mutter in Thailand besuchen und noch vor ihrer Anreise war ich nicht mal sicher, ob ich die vollen vier Wochen tatsächlich mit ihr zusammen verbringen wollte. Natürlich liebe ich meine Mutter und ich freue mich über tolle gemeinsame Erlebnisse, doch vier Wochen lang rund um die Uhr aufeinander zu hängen könnte mir vielleicht zu anstrengend werden. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir beide noch nicht, wie intensiv wir tatsächlich die Zeit miteinander verbringen würden und das auch noch unfreiwillig.

Warnung durch den deutschen Tropendoktor

Schon in Deutschland hatte mich mein Tropendoktor darauf vorbereitet, dass ich bei meiner langen Reise ein Thailand davon ausgehen könnte, Dengue-Fieber und Malaria zu bekommen. Ich stellte mich gedanklich darauf ein und hoffte einfach, dass ich verschont bleiben würde. Mehr als zwei Monate lang nutzte ich jede Nacht mein Moskitonetz, sprühte meine Haut regelmäßig mit einer wirksamen Chemiekeule gegen Moskitos ein und verräucherte mein Umfeld mit Moskitospiralen.

Alles ging gut und ich blieb gesund trotz täglich neuen Moskitostichen. Und mit einem Schlag traf es mich dann doch. Mittags nach dem Frühstück lief ich mit meiner Mutter zusammen zurück zum Bungalow und legte mich in die Hängematte. Ich fühlte mich matt und im nächsten Moment wie erschlagen. Es kam alles ganz schnell und ich spürte, da stimmt etwas nicht.

Kurz zuvor machte meine Mutter noch einen Scherz, ich könne ja vielleicht doch Malaria haben. Ich schmunzelte darüber, aber steckte mir dann doch das Fieberthermometer unter den Arm. 38,5 C! Shit! Ich hatte tatsächlich Fieber. Vorsichtshalber sollte auch meine Mutter mal Fieber messen und testen, ob mein digitales Fieberthermometer überhaupt richtig funktionierte. 36,7 C! Alles OK, kein Fieber.

Mist – das bedeutete, ich musste zum Arzt. Gesagt – getan.

Besuch beim thailändischen Arzt

Mein erster Besuch beim thailändischen Arzt. Ich fragte mich schon, was mich da wohl erwarten würde. Glücklicherweise hatte ich eine Auslandsreiseversicherung im Vorfeld abgeschlossen und hoffte sehr, dass ich nun keine finanzielle Überraschung erleiden musste. Aber erst mal egal. Ich wollte erst mal wieder gesund werden.

Die thailändische Ärztin war wirklich klasse! So lieb, freundlich und einfach nur herzlich. Sie war genauso alt wie ich, lachte die meiste Zeit und vermittelte mir ein Gefühl von Leichtigkeit.

Die mir aus Deutschland bekannte Schwere und Ernsthaftigkeit bei einem Arztbesuch ist hier einfach nicht vorhanden und es fühlt sich wunderbar an. Klar, ich war wohl krank. Das wussten wir beide. Aber man muss dieses blöde Ereignis nicht auch noch fördern indem man miese Stimmung verbreitet.

Die Ärztin schaffte es, dass ich mit einem breiten Lächeln die Klinik verließ – und das lag nicht allein an den Tabletten, die ich zur Fiebersenkung bekommen habe 😀

Koh Samui - Krankenhaus-6070210

Diagnose: Verdacht auf Dengue-Fieber. Das Ergebnis des Bluttests sollte am nächsten Tag mehr Aufschluss geben.

Die kommende Nacht war beinahe schlaflos und geprägt von Fieberschüben, Tabletteneinnahme zur Fiebersenkung, Frieren und Schwitzen. Ich fühlte mich zwar nicht besser, aber war froh, als die Sonne endlich aufging und ich mein Bett verlassen konnte.

Der Blick in die Augen meiner Mutter an diesem Morgen machten dann leider schnell deutlich, dass es auch ihr nicht gut ging. Und die Ärztin sollte Recht behalten. Denn am Vortag hatte sie uns schon vorgewarnt, dass im Falle von Dengue-Fieber häufig der mitreisende Partner nach kurzer Zeit ebenfalls erkranken würde. Wir hatten diese Aussage zu diesem Zeitpunkt noch belächelt, doch nun bestätigte das Fieberthermometer diese Vorahnung.

Umzug in eine Unterkunft mit Klimaanlage

Wir packten unsere Sachen, checkten aus unserem Strandbungalow mit Ventilator aus und teilten uns von nun an eine Unterkunft mit kühlender Aircondition. Die folgenden drei Tage stopften wir uns mit Paracetamol (bekommt man hier in jedem Supermarkt) voll, versuchten uns mit viel Schlaf zu erholen und ich ließ mein Blut regelmäßig überprüfen.

Am Tag 4 betraten wir die Klinik erneut und die Ärztin teilte uns mit, dass sie uns beide gerne ins Krankenhaus nach Koh Samui schicken möchte. Denn meine Blutwerte hatten sich weiter verschlechtert und in der Klinik auf Koh Tao könne die Ärztin von nun an eine geeignete Betreuung nicht mehr gewährleisten.

Ein Albtraum für jeden Urlauber – Transport ins Krankenhaus

Da war meine Mutter gerade mal zwei Wochen im Urlaub und dann hieß es, wir sollen beide ins Krankenhaus? So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Vor wenigen Tagen erst waren wir nach so vielen Jahren endlich mal wieder gemeinsam tauchen und haben begonnen den gemeinsamen Urlaub richtig zu genießen. Wir hatten noch Pläne…

…Und auf einmal lagen wir beim Arzt auf einer Liege, beide total erschöpft und mit einer Infusion im Arm und warteten auf das Pick-up-Taxi, was uns zum Pier bringen sollte. Noch wenige Tage zuvor mussten wir schmunzeln, wie eine Patientin auf einem offenen Pickup mit Infusion abtransportiert wurde – in Deutschland undenkbar! – und nun erging es uns genauso.

Den kompletten Weg, von der Klinik auf Koh Tao, bis zum Krankenhaus nach Koh Samui wurden wir begleitet und umsorgt von einer Krankenschwester. Auf dem Boot zwischen den ganzen Touristen fühlte ich mich wie ein Exot. Wir drei hatten auf dem Boot eine ganze Sitzreihe für uns. Meine Mutter hing mit ihrer Infusion ganz links außen und ich mit meiner Infusion ganz rechts. Wir mussten erbärmlich ausgesehen haben. Die Krankenschwester zwischen uns. Sie prüfte immer wieder unseren Blutdruck und legte mir ihre Wolljacke auf meinen frierenden Körper.

Die beobachtenden und besorgten Blicke der anderen Passagiere wandten sich endlich ab, als dann bei der Zwischenanlegestelle an Ko Pha-Nhgan ein Patient auf eine Trage hereingebracht wurde, mit geschientem Bein, ebenfalls mit Infusion und begleitet von einer bestens gestylten Krankenschwester. Es war alles so verrückt.

Angekommen auf Koh Samui wurden wir drei Patienten dann mit zwei Krankenwagen mit Sirene ins Krankenhaus gefahren. Dort erfuhr ich dann, dass der andere Patient einen Zusammenstoß mit seinem Roller und einem Auto gehabt hatte und Glück hatte, noch am Leben zu sein.

Auf Koh Tao werden Wunden, die durch einen Unfall mit einem Roller entstanden sind, auch liebevoll „Koh-Tao-Tattoo“ genannt 😉

Ernüchternde Ankunft im Krankenhaus

Bis hierhin war alles irgendwie noch ganz aufregend und amüsant. Meine Mutter und ich lachten über die Dramatik, die man uns entgegenbrachte. Klar, wir fühlten uns nicht besonders gut, dennoch hätten wir nicht mit Sirene ins Krankenhaus gebracht werden müssen und auch zur Toilette hätten wir wohl noch alleine gefunden. Bis zu diesem Zeitpunkt erkannten wir überhaupt noch nicht die Notwendigkeit im Krankenhaus zu sein.

Das wohl lustigste an der ganzen Situation bis hierhin war, dass meine Mutter und ich der festen Überzeugung waren, dass von uns beiden ganz klar ich der Problemfall war.

Doch die Ärzte schienen das anders zu sehen. Meine Mutter wurde wie ein Pflegefall behandelt, der nicht mehr alleine laufen kann. Mich ignorierten sie und schickten mich stattdessen zur Versicherungsbetreuerin des Krankenhauses. Ich sollte für uns beide mit der Versicherung telefonieren und alles klären, damit die Kosten zur Behandlung übernommen werden. Das tat ich dann auch und kehrte nach mehreren Gängen dann völlig erschöpft zurück und legte mich auf die Liege neben meine Mutter. Dort erfuhren wir dann, dass sie die erste Nacht auf der Intensivstation verbringen solle. Wir schauten uns an und verstanden die Welt nicht mehr. Wir winkten uns an diesem Tag ein letztes Mal zu und sollten uns erst am nächsten Mittag wiedersehen.

Ein ganz normaler Tag mit Dengue-Fieber im thailändischen Krankenhaus

 

Koh Samui - Krankenhaus-0189

6 Uhr morgens!

Es ist noch dunkel draußen. Das grelle Neonlicht im klimatisierten Krankenzimmer wird angeschaltet und die meist perfekt gestylten thailändischen Krankenschwestern nähern sich unseren schlaffen müden Körpern. Sie lächeln und sagen „Good morning – Bloodtest“ und schieben ein Wägelchen vor sich hin mit blinkenden bunten Zahlen auf einem Bildschirm und verschiedensten Utensilien drauf.

Noch halb schlafend und mit schweren Augen spüre ich wie mir mein Arm abgebunden wird und eine Nadel neben die vielen vorherigen Einstichlöcher in meiner Armbeuge in meine Vene geschoben wird. Es pickst jedes Mal fürchterlich und ich möchte am liebsten jedes Mal den Arm zurückziehen und sagen „Nein, ich will nicht mehr – es reicht“. Aber ich weiß, es muss 2-3 Mal am Tag sein.

Ich kenne das Ritual schon in- und auswendig. Ich nehme das Fieberthermometer entgegen, was mir die Krankenschwester reicht und schiebe es mir in die schweißnasse Achselhöhle. Währenddessen quetscht mir das Blutdruckmessgerät meinen Oberarm zusammen und das Fieberthermometer piepst. „38.6 – you have fever!“ höre ich die Krankenschwester sagen.

„How many pipi last night? And pooh?“

Nachdem die Krankenschwestern ihre Checklisten ausgefüllt haben, verlassen sie wieder den Raum und im nächsten Moment wird es wieder still. Ich schaue verschlafen links neben mich und sehe in die müden und erschöpften Augen meiner Mutter. Wir können nicht mehr! Wir wollen hier raus!

Koh Samui - Krankenhaus-0209

6:15 Uhr

Kurze Zeit später öffnet sich die Türe erneut und eine Krankenschwester mit Kontaktlinsen in den Augen, wie aus einem Manga, bereitet kleine Behälter mit Pillen für uns vor.

„this is for your fever – this is for your stomach – this is for stopping bleeding– and this is for vomiting before breakfast“

Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen und es wird hell im klimatisierten unterkühlten Zimmer. Laut Anzeige sind es 25 Grad, doch für mich fühlt sich das wie 10 Grad an und ich komme ohne zusätzliche Decke nicht aus.

Im nächsten Moment sind wir beide wieder eingeschlafen.

8:00 Uhr

Die Tür öffnet sich und es werden zwei Tabletts mit unserem Frühstück hereingebracht. Alle Behälter, Teller und Schalen sind jedes Mal in chemisch stinkende Frischhaltefolie eingepackt.

Es gibt labbrige Toastscheiben, Croissants, Orangenmarmelade, eine Banane oder manchmal auch Ananas. Eine leere Tasse mit einem Teebeutel und einem Päckchen Instantkaffee – Woher wir das heiße Wasser bekommen sollten, hatte uns niemand erzählt und so blieben unsere Tassen leer.

Mir ist schlecht und ich kann nichts essen. Die stinkenden Folien bleiben verschlossen.

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8:15 Uhr

Ich muss auf die Toilette. Langsam, mit dickem Schädel, vollgepumpt mit Medikamenten schäle ich mich aus meinem Bett. Ich stöpsle den Stromstecker meines Infusionsgerätes aus und schleife das Gerät hinter mir her. Im Bad lacht mich schon mein halbvoller Pipibehälter mit meinem Namen drauf an. Als ich das Bad wieder verlasse ist der Behälter voll.

Ich schlafe wieder ein.

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9:00 Uhr

Der Doktor kommt mit seiner übermüdeten Assistentin ins Zimmer und teilt uns unsere Blutergebnisse vom Morgen mit. Es sieht für uns beide nicht gut aus. Die Blutwerte fallen weiter ab.

Er teilt mir mit, dass ich auf die Intensivstation muss, wenn meine Blutwerte noch weiter fallen – da will ich auf keinen Fall hin. Der Doktor möchte daher nun gerne dreimal am Tag meine Blutwerte messen. Er erklärt uns, dass wir uns nur sehr vorsichtig bewegen dürfen und keine Zähne putzen dürfen, weil das Risiko des Zahnfleischblutens zu hoch sei. Stattdessen hält mir eine Krankenschwester warnend ein Schild vor die Nase mit der Aufschrift „Bleeding Precaution“ und steckt es in eine Halterung in der Wand, auf die ich den ganzen Tag schaue. Wir bekommen stattdessen eine Mundspülung mit unserem Namen drauf.

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10:00 Uhr

Die Tür öffnet sich und die Krankenschwestern mit ihren piependen Wägelchen kommen erneut ins Zimmer. Routinemäßig wird der Blutdruck und das Fieber gemessen. Die Krankenschwester stellt uns außerdem einen Becher mit Strohhalm und in Wasser gelöste Elektrolyte zum Ausgleich der Mineralien auf den Tisch. Wir können das orangene Zeug nicht mehr sehen und stellen es zum unangetasteten Frühstückstablett dazu.

Koh Samui - Krankenhaus-6110219

10:15 Uhr

Die Tür öffnet sich und wir werden gefragt, ob wir fertig gegessen haben. Kaum angerührt werden unsere Frühstückstabletts abgeräumt. Den Becher mit den Elektrolyten lassen sie stehen.

11:00 Uhr

Eine Krankenschwester stellt uns erneut Medikamente ans Bett.

11:15 Uhr

Eines unserer Infusionsgeräte fängt an nervig zu piepen. Meine Mutter drückt den Notrufknopf für die Krankenschwester. „How can I help you?“ dröhnt es freundlich aus der Sprechanlage. Sie ruft zurück „the machine!“. Eine Minute später steht die Krankenschwester im Zimmer und bringt das nervige Gerät zum Schweigen.

12:00 Uhr

Das Mittagessen wird gebracht. Auch wenn wir beide immer das gleiche Essen bestellen, so bekommt jeder von uns jeden Tag etwas anderes. Aber eins ist immer gleich. Jeder Teller und jede Schale ist eingepackt in chemisch stinkende Frischhaltefolie. Mir ist schlecht und ich kann nichts essen, aber ich muss vielleicht nur noch einen kleinen Moment länger warten, bis meine Tabletten gegen Übelkeit anfangen zu wirken.

13:00 Uhr

Der nächste Bluttest steht an und wieder wird mir eine Nadel in meinen Arm geschoben. Jedes Mal neu. Jedes Mal dieses unangenehme Pieksen. Meine Haut scheint immer sensibler zu werden und meine Nerven liegen blank. Ich kann es kaum noch ertragen.

Die Augen sind schwer und ich will die ganze Zeit nur schlafen. Meine Mutter liegt neben mir und ich weiß, es geht ihr nicht anders.

14:00 Uhr

Pünktlich alle vier Stunden wird auch jetzt wieder routinemäßig der Blutdruck gemessen und das Fieber geprüft.

15:00 Uhr

Ich möchte duschen. Ich drücke auf den Notrufknopf und teile der Krankenschwester meinen Wunsch mit. Eine Minute später steht sie neben mir und zieht mir einen Gummihandschuh über meine Hand mit der Infusionsnadel und verklebt alles wasserdicht. Dann begleitet sie mich ins Bad und hilft mir aus meinem Patientenkittel. Die Dusche tut gut. Völlig erschöpft lege ich mich zurück ins Bett. Schließe den Stromstecker an mein Infusionsgerät und schlafe sofort ein.

Koh Samui - Krankenhaus-0193

15:30 Uhr

Das Piepen des Infusionsgerätes reißt mich aus meinem traumlosen Schlaf. Fehlalarm. Blödes Ding! Genervt und ohne Kraft drückt meine Mutter den Notrufknopf.

16:00 Uhr

Ich möchte schlafen und versuche die Augen wieder zu schließen. Da klingelt hinter mir das Telefon. Ich gehe verwundert dran und melde mich mit meinem Namen. Eine fröhliche weibliche Stimme meldet sich am anderen Ende, spricht deutsch und gibt sich als Ansprechpartnerin der Versicherung meiner Mutter zu erkennen. Sie wollte nur hören, wie es ihr geht und mitteilen, dass von Seiten der Versicherung alles geklärt sei und alle Kosten für den Krankenhausaufenthalt übernommen werden.

Sehr nett von der Versicherung!

16:15 Uhr

Mir ist langweilig. Ich schalte den Fernseher an und zappe durch die 15 Programme.

16:45 Uhr

Eines unserer lästigen Infusionsgeräte fängt wieder an zu piepen. Notrufknopf!

Koh Samui - Krankenhaus-6110223

17:00 Uhr

Zwei Frauen betreten das Zimmer und fragen uns, ob sie die Bettwäsche unserer Betten wechseln können.

18:00 Uhr

Blutdruckmessen und Fiebercheck. Pillen für das Abendessen und für danach. Nervige Fragen nach unserem Pipi und Pooh und wie viel wir seit 14 Uhr getrunken haben.

19:00 Uhr

Zeit für das Abendessen! Juhhuuuu!

Ich bekomme nur zwei Gabeln runter.

20:00 Uhr

Die letzte Blutabnahme für diesen Tag. Danach gehen die Lichter aus und wir haben für die nächsten 4 Stunden unsere Ruhe.

Ich versuche die Augen zu schließen, doch alles tut weh. Der Infusionsschlauch nervt und die Matratze des Betts ist unglaublich hart. Meine Mutter hatte die gute Idee, einen Teil der Schlafdecke als Polsterung unterzulegen, aber das funktioniert für mich nur begrenzt. Ich schaue ständig auf die Uhr. Die Zeit vergeht nicht und ich bin kurz davor wahnsinnig zu werden. Irgendwann schlafe ich ein.

22:00 Uhr

Blutdruckmessen und Fiebercheck. „You have fever“ und bekomme daraufhin erneut Tabletten.

2:00 Uhr

Blutdruckmessen und Fiebercheck. „You have fever“ und bekomme wieder Tabletten.

6:00 Uhr!

… und der Tag beginnt von vorn!

Koh Samui - Krankenhaus-0192

Dengue-Fieber: Horrortrip mit fröhlichem Ende

Bis zu unserer Entlassung haben wir sechs lange Tage im Krankenhaus verbracht und wir sind fast wahnsinnig geworden. Unser Glück im Unglück war, dass wir diese harte Zeit nicht alleine verbringen mussten und wir uns beide hatten.

Kurz vor unserer Entlassung fühlten wir uns immer besser und es gab Momente des wohltuenden Lachens: Meine Mutter drückte auf den Notrufknopf und fragte durch die Sprechanlage nach Magnesium für Wadenkrämpfe. Und wie wir schon Tage zuvor mit Erstaunen feststellen mussten, ist in Thailand die Einnahme von Magnesium eher unbekannt und so tönte aus der Sprechanlage die Rückfrage der Krankenschwester „Mayonaise?“ – Wir fingen an zu lachen und es dröhnte weiter aus der Sprechanlage „Kiss me, kiss me!“ Und wir konnten nicht aufhören zu lachen. Die Tränen vor Lachen flossen nur so meine Wangen herunter, bis wir verstanden, dass die Krankenschwester „Excuse me“ sagte, was sich mit dem Thai-Akzent jedes Mal, wie „kiss me“ anhörte.

Kurze Zeit später kam eine Krankenschwester lachend ins Zimmer und war selbst sehr amüsiert über die Situation.

Es dauerte nicht mehr lange und dann durften wir auch endlich das Krankenhaus verlassen, erreichten noch rechtzeitig das Boot nach Koh Tao und bezogen wieder unser altes Zimmer. Wir hatten nun noch eine gemeinsame Woche zum erholen und genießen. Und das haben wir erfolgreich geschafft! 🙂

 

Informationen zum Dengue-Fieber

Das Dengue-Fieber ist eine tropische-Viruserkrankung zu der es bis heute leider noch keine Impfung oder Behandlungsmethode gibt. Übertragen wird die Krankheit durch Moskitos und der einzig wirksame Schutz vor Dengue-Fieber ist die Vermeidung von Moskitostichen.

Ärzten sind die Hände gebunden und das Einzige, was sie tun können ist eine Verringerung der Symptome. Den Rest muss der eigene Körper tun.

Interessanterweise kann das Virus nur im Menschen und in manchen Affenarten überleben. In anderen Tieren scheint dieser Virus abzusterben. Die Inkubationszeit dauert wohl 3-14 Tage und der Krankheitsverlauf dauert insgesamt etwa eine Woche, wobei der Körper zur Regeneration noch Tage und Wochen danach benötigt.

Symptome von Dengue-Fieber

Es gibt sehr typische Symptome des Dengue-Fiebers und wir haben wohl alle mitgenommen. Dennoch kann der Verlauf der Krankheit unterschiedlich verlaufen, je nach eigener körperlicher Konstitution. Außerdem treten die Symptome in unterschiedlichen Phasen auf.

Die größte Gefahr liegt im eigenen Blut, denn im Verlauf der Infektion nimmt die Anzahl der Blutplättchen stark ab. Und die Blutplättchen sind ein wesentlicher Bestandteil bei der Blutgerinnung, damit das Blut in den Blutgefäßen gehalten werden kann. Sinken die Blutplättchen zu stark ab, kann es zu inneren und äußeren Blutungen kommen.

Aus diesem Grund darf man bei Dengue-Fieber in keinem Fall Aspirin, Ibuprofen oder ähnlich blutverdünnende Medikamente zu sich nehmen!

Symptome zu Beginn der Krankheit:

  • viel und hohes Fieber

  • niedriger Blutdruck

  • Gelenkschmerzen und Kopfschmerzen

  • Appetitlosigkeit und Übelkeit bis Erbrechen

  • Abgeschlagenheit und Erschöpfung

  • Durchfall

  • Flüssigkeitsverlust

  • Verlust von Nährstoffen

Im späteren Verlauf kommen weitere Symptome dazu:

  • Gewichtsverlust

  • Blutungen

  • Magenschmerzen aufgrund der Medikamente

  • Muskelkrämpfe

  • Anschwellen der Leber aufgrund der Medikamente

  • Hautausschlag und Rötung der Haut

  • starker Juckreiz in den Hand- und Fußinnenflächen

Glücklicherweise besteht in Deutschland keine Gefahr an Dengue-Fieber zu erkranken und auch wer bereits einmal an Dengue-Fieber erkrankt ist, ist für sein restliches Leben immun gegen diesen Typ. Insgesamt gibt es auf der Welt wohl vier verschiedene Dengue-Typen und in Thailand ist aktuell hauptsächlich der Typ 1 und 2 vertreten.


 

Liebste Mama,

ich hatte eine so tolle Zeit mit dir und ich bin glücklich, dass wir endlich mal wieder zu einem gemeinsamen Urlaub gekommen sind. Das Tauchen war mit Sicherheit das Highlight und ich hoffe, dass wir bis zum nächsten gemeinsamen Tauchgang nicht wieder 15 Jahre warten müssen 😉

Thailand ist wirklich ein tolles Land! Danke für den Tipp. Und ich bin gespannt, wohin es uns sonst noch so verschlägt. Beim nächsten Mal dann ohne Krankenhaus!

Für deine Rückkehr in deinem tollen Zuhause wünsche ich dir einen super Start, bestes Wetter und liebe Menschen, die sich auf dich freuen.

Bis bald.

Deine dich liebende Tochter!

PS.: achja, falls ich in diesem Artikel zu unserem Mutter-Kind-Dengue-Fieber-Erlebnis etwas vergessen haben sollte, oder du der Meinung bist, ich hätte maßlos untertrieben, dann sag Bescheid! Kuss.

Thailand - Tauchen

One thought on “Mutter-Kind-Dengue-Fieber in Thailand”

  1. Hi,
    Ja, genauso ist es bzw. Läuft es grad bei meinem Freund ab seit 6 Tagen.
    Bleeding precaution da sind wir grad angekommen.
    Hoffentlich krieg ich es nicht auch noch .
    Danke für den echt authentischen Bericht.

    LG
    Astrid

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