Freisein und doch nicht frei?

Was kommt als nächstes? Was sagt mir mein Gefühl? Welche Träume habe ich?

Fahre ich nach Hause in mein gewohntes und bekanntes Umfeld? Bleibe ich in Thailand oder fliege ich doch noch mal nach Australien auf eine Pferderanch und erfülle mir damit einen weiteren großen Traum?

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Meine Gesamtsituation ist eigentlich unverändert. Ich bin nach wie vor frei und unabhängig. Zuhause erwarten mich keine großen Verpflichtungen und kein Job. Eigentlich kann ich immer noch einfach nur tun, wonach mir ist.

Wenn ich darüber nachdenke, dann war es ja genau das, wonach ich mich so lange gesehnt habe.

Meinen großen Traum von Freiheit ausleben. Jeden Tag neu entscheiden und einfach nur den Moment leben.

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Ich war so lange gefangen in meinem Job und in meinem Alltag, aus dem ich so scheinbar schwer ausbrechen konnte. So lange habe ich von der großen weiten Welt und einem Leben voller Freiheit geträumt. Und genau dieses Leben kann ich genau in diesem Moment haben. Und doch fällt es mir aktuell so schwer, diesem Gefühl freien Lauf zu lassen.

Wenn ich morgens aufwache, dann weiß ich nicht so recht, was ich mit diesem „freien Tag“ eigentlich anfangen soll.

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Heimweh – Die Sehnsucht nach dem Bekannten

Gestern habe ich meine Mutter zum Pier in Koh Tao gebracht. Sie ist auf das Boot gestiegen und ist nun auf den Heimweg. Eine Stimme in mir wünschte sich ebenfalls mit auf das Boot zu steigen, mich in den Flieger zu setzen und erst wieder auszusteigen, wenn ich in Deutschland bin. Das milde Klima, die bekannte Umgebung, die gleiche Sprache und Kultur, Wald, Familie, Freunde und mein Pferd und das europäische Essen.

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Seit drei Monaten bin ich in Thailand und so langsam wünsche ich mir mein bekanntes Umfeld zurück. Da merkt man erst, was man Zuhause so sehr liebt und schätzt. Noch zu Beginn meiner Reise dachte ich, ich will hier aus Thailand nie wieder weg, nie wieder zurück nach Deutschland und für immer hier im Paradies bleiben.

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Doch nun stelle ich für mich fest, dass mein persönliches Paradies nicht hier in Thailand ist. Thailand ist wunderbar und alles sieht aus, wie auf einer Postkarte. Die Menschen sind unglaublich toll – so fröhlich und herzlich – und das Essen ist immer so frisch und gesund. Auch das Empfinden für die Zeit ist hier allgemein ein ganz anderes, eher unbedeutend. Und jeder scheint hier das Beste aus seinem Leben zu machen, ohne sich dabei an der Vergangenheit festzuklammern, oder die Zukunft herbeizubeschwören. Es zählt der Moment.

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Und dennoch hat mich eine innere Unruhe befallen. Es scheint alles so perfekt zu sein und dann auch wieder nicht.

Das Klima ist mir auf Dauer einfach zu feucht und warm. Frische Luft zum Durchatmen sucht man hier vergeblich. Der Strand und das Meer sind göttlich, doch bin ich ja gar keine Sonnenanbeterin, die stundenlang am Strand in der Sonne brutzeln kann.

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Ich suche den Schatten und den Wind. Meinen ursprünglichen Plan von der Ausbildung zur Tauchlehrerin habe ich auch schon verworfen. Ich tauche wirklich gerne und zusammen mit meiner Mutter hatte ich hier in Thailand mal wieder viel Spaß die Unterwasserwelt zu erkunden. Doch mein Herz schlägt dafür nicht stark genug, um den ganzen Tag nichts anderes mehr zu machen.

Mein Element ist nicht das Wasser. Mein Element ist die Erde und mein Herz schlägt ganz klar für Natur und Pferde.

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Wie geht es weiter? Die Qual der Wahl

Was mache ich nun? Ich sitze auf meinem Balkon, bei mehr als 30 Grad im Schatten und schreibe meine Gedanken auf. Eigentlich habe ich alle Freiheiten, die man sich nur wünschen kann, und dennoch kann ich mich nicht entscheiden und werde zerfressen von einer inneren Unruhe.

Irgendwie scheint da etwas dran zu sein, dass man irgendwann immer gerne das hätte, was man nicht hat 🙂

Andererseits ist das auch gut so. Meine immer wiederkehrende Unruhe hält mich in Bewegung. Es sorgt für Veränderungen in meinem Leben und ich lerne, auf meine Bedürfnisse zu hören. Die Zeit hier in Thailand war einfach großartig, so aufschlussreich und lehrreich und so prägend für mein weiteres Leben. Nicht mal im Traum wäre mir eingefallen, was ich hier alles über mich und das Leben gelernt habe.

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Und nun muss es weitergehen. Aber wohin? Es war mein ursprünglicher Plan und ist nach wie vor mein großer Traum: Ein Leben auf einer Pferderanch. Ich liebe Pferde, bin gerne rund um die Uhr in der Natur und ich brauche eine Aufgabe. Ich könnte mir einen Job auf einer australischen Pferdefarm suchen und mir diesen Traum erfüllen. Mit dem Work&Travel-Visum für Australien und einem Flug unter 200€ wäre ich in ca. einem Tag auf dem 5. Kontinent.

Andererseits sehne ich mich nach so vielen Dingen, die mich Zuhause erwarten würden. Und auch Zuhause könnte ich meine Zeit mit Pferden verbringen. Außerdem könnte ich mich einfach in mein Auto setzen und irgendwo hinfahren, worauf ich gerade Lust habe. Und wenn ich nach zwei Monaten wieder Fernweh habe, dann könnte ich mich immer noch in den Flieger nach Australien setzen und mir den Traum auf einer Pferderanch erfüllen. Aber wenn ich dann erst wieder Zuhause bin, fällt es mir dann nicht vielleicht deutlich schwerer? Kann ich mir in Deutschland meine aktuelle Tiefenentspannung beibehalten? Werde ich weiterhin alles so leicht nehmen können und einfach in den Tag leben können? Oder werden mich dann doch irgendwelche „Verpflichtungen“ einholen, die mich aus dem Hier und Jetzt reißen werden?

Es kommt der Moment und dann werde ich es fühlen

Ich kann mich jetzt einfach noch nicht entscheiden. Und das ist auch nicht weiter schlimm. Denn aktuell bin ich frei und kann den Moment abwarten. Irgendwann werde ich es spüren und dann tief in meinem Inneren wissen, was zu tun ist. Und dann ist es auch egal, wofür ich mich entscheide. Denn wenn ich auf mein Gefühl höre, dann ist jede Entscheidung gut. Ich habe mir zwei weitere Nächte in meinem Zimmer gebucht und nutze die Tage, um ein wenig Ordnung in meinem Kopf und meiner Gefühlswelt zu bekommen. Die vergangenen Monate waren einfach nur verrückt 😀 und es tut gut, mal zwischendurch durchzuatmen und sich zu besinnen.

Nach meiner aktuellen Stimmung werde ich in einigen Tagen wohl nach Bangkok fahren und dort ein paar Tage verbringen, shoppen gehen, Eindrücke aufsaugen und letztendlich neue Entscheidungen treffen.

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One thought on “Freisein und doch nicht frei?”

  1. Ach Alice du schreibst so schön und dennoch ist heute wohl ein bisschen Wehmut dabei…. Ich würde dich jetzt gerne drücken…. Du wirst dich für das richtige entscheiden und egal was es ist…. Wir sind immer irgendwie bei dir 😉

    Kuss Nela

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