Nichts ist, wie es einmal war. Das Leben nach der Langzeitreise

Die Reise geht weiter, wie auch das Leben immer weitergeht. Alles verändert sich jederzeit.

Die Rückkehr nach Deutschland fiel mir zugegebenermaßen sehr schwer, nachdem ich zuvor alle Zelte abgerissen hatte, den Job gekündigt, die Wohnung aufgelöst hatte und beinahe alles aufgegeben hatte, was mein bodenständiges Leben zuvor ausgemacht hatte, um ein ganzes Jahr durch verschiedene Länder zu reisen.
In diesem Jahr meiner Unabhängigkeit, befreit von Verpflichtungen und erfüllt von Aufgeschlossenheit der gesamten Welt gegenüber hat sich viel verändert. Ich liebe mein Leben und kann gar nicht genug davon bekommen.
Und gerade deshalb fiel es mir so schwer wieder zurück nach Deutschland zu kommen, auch wenn dies meine eigene ungezwungene Entscheidung war.

Zurück in alte Strukturen geht nicht mehr

So vieles Bekanntes kam mir auf einmal fremd vor. In die alten Strukturen wollte und konnte ich mich nach meiner Rückkehr nach Deutschland einfach nur sehr schwer wieder einfinden und die deutsche Bürokratie, das Verantwortungsbewusstsein und die gewisse Schwermütigkeit vieler Menschen lastete schwer auf meinen Schultern. Wo waren auf einmal all die Freigeister hin verschwunden? Zurück in Deutschland ist es auf einmal nicht mehr üblich im Cafe sich an den Tisch eines Fremden zu setzen und anzufangen über das Leben zu philosophieren. Wenn ich Gesprächen lausche, dann höre ich häufig das Klagen über den Job, die Gesundheit und die schlimmen Dinge, die in der Welt geschehen. Eine erdrückende Wolke vollgestopft mit Unzufriedenheit schwebt über Deutschland, so habe ich zumindest den Eindruck. Wo ist die Leichtigkeit und Gelassenheit der Menschen geblieben, an die ich mich im Laufe meiner einjährigen Reise so schnell gewöhnt habe? Ich kann meine Augen nicht mehr verschließen. Zu viel habe ich gesehen und erlebt. So viele Menschen sind mir begegnet, die es geschafft haben aus ihren festgefahrenen Strukturen auszutreten und sich ein neues Leben aufgebaut haben und von nun an ihre Träume verfolgen indem sie auf ihr Herz hören. Es geht! Ich weiß es ganz sicher! Zurück in mein altes Leben kann ich nun nicht mehr.
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Dennoch fällt es mir schwer wieder zurück in Deutschland zu sein. Die Masse an Menschen überfordert mich. Das schnelle Autofahren auf den tristen Autobahnen verunsichert mich. Der Druck von Außen verwirrt mich. Die Anonymität untereinander macht mich traurig. Der schier unbegrenzte Konsumzwang der Menschen hält mir täglich vor Augen, wie verloren wir Menschen in einem System aus Geld und Gier doch eigentlich sind.
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Wie viel Besitz ist notwendig?

Das einjährige Leben aus meinem Rucksack, ohne Zuhause und mit möglichst wenig Geld hat mir gezeigt, mit wie wenig äußeren Dingen wir tatsächlich auskommen können. Und ich bin mir sogar sicher, dass noch weniger möglich ist. Um ehrlich zu sein bin ich sogar der Auffassung, dass wir uns umso freier fühlen je weniger wir besitzen.
Aus meiner früheren Erfahrung heraus weiß ich natürlich, was das scheinbar Schöne an Besitz für uns ist. Es macht unser Leben bequemer und wir meinen, dass es uns unser Leben sogar vereinfacht. Doch jeder Besitz bringt auch eine Abhängigkeit mit sich. Und genauso auch Angst, diesen Besitz verlieren zu können. Aus dieser Angst heraus kann es passieren, dass wir mit allen Mitteln versuchen, diesen Besitz zu schützen. Und dieser Zustand ist aus meiner Sicht ein Zustand von innerer Gefangenheit in Unfreisein mit sich selbst.
Nur wer loslassen kann, der kann innerlich frei werden.
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Im Hier und Jetzt – der Bewusstseinszustand

Die meiste Zeit meines einjährigen Abenteuers habe ich im Hier und Jetzt verbracht. Der Augenblick war stets entscheidend. Ich habe versucht den Moment zu genießen und mich nicht von gestern oder morgen, von der Vergangenheit oder der Zukunft auf Gedanken zu bringen, die eh nichts ausrichten konnten. Die Uhrzeit, der Tag, die Woche, der Monat und auch das Jahr spielten absolut keine Rolle für mich. Und das ist ein unglaublich befreiendes Gefühl.
Ich gebe zu, dass es auch während der Reise immer wieder Momente des Zweifelns gab, in denen es mir sichtlich schwer fiel und ich mich auf einmal verloren in meinen Ängsten über die bevorstehende Zukunft sah oder versunken in dunklen Gedanken aus meiner Vergangenheit.
Sicher! Es ist eine Herausforderung stets den Augenblick zu erkennen, Bewusstsein zu erlangen und das Hier und Jetzt zu genießen. Doch mit absoluter Sicherheit kann ich sagen, dass es diese Anstrengung Wert ist.
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Auch die Rückkehr nach Deutschland hat mich wieder einiges gelehrt. Es war eine gute Prüfung, um das Bewusstsein dafür zu stärken stets auf mein Herz zu hören, selbst wenn die gesamte Außenwelt einem etwas anderes erzählt.
Der Schlüssel zum eigenen Herzen liegt im Hier und Jetzt! Vergangenes Vergangenheit lassen und die Zukunft einfach kommen lassen. Nehmen, wie es ist, ohne zu bewerten. Im Hier und Jetzt, genau in diesem Augenblick.
Ein halbes Jahr ist vergangen und nun stehe ich in den Startlöschern meines nächsten Projekts. Dazu bald mehr.

5 thoughts on “Nichts ist, wie es einmal war. Das Leben nach der Langzeitreise”

  1. Liebe Alice.
    Wie immer ein bewegendes Statement. Gestern habe ich mich gefreut ein so schönes Bild von Dir und Jammin zu sehen…und nun; es geht bald wieder los?!
    Wie auch immer und was Du entscheidest. Frieden in der Seele ist das Einzige was zählt. Ich bin gespannt auf mehr News.
    Viele Grüße Claudia

  2. Liebe Alice,

    schön, mal wieder von Dir zu hören!
    Ich habe mich dabei ertappt zu denken: „Ja, auch ich bin eine, über die Alice die „Kummerwolken“ um den Kopf entdeckt hätte.“ 😉 Ich finde es immer wieder erhellend, wenn andere eine andere Sichtweise einbringen und genau das einmal wieder spiegeln.

    Einer Deiner schönsten Ansätze ist der, sich von Ballast zu befreien. Es gehört mit hinein zu den Fragen „Wie will ich mein Leben gestalten?“, dass ich mich auch frage, was ich wirklich brauche. Damit wird nicht nur der Rucksack klein – auch seelischer Ballast fällt ab: Ist es wirklich so wichtig, was die Nachbarn über den Garten denken? Oder die Kollegen über meinen Kleidungsstil? Auf wessen Meinung lege ich Wert und auf wessen kann ich gut verzichten? Und so weiter… Mir fällt dabei Mahatma Gandhis Ausspruch ein „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ Davon bin ich auch überzeugt, und ich denke, dass eine Reihe von Problemen kleiner werden würden, wenn sich ein paar Menschen genau diese Gedanken machen und in die Tat umsetzen lassen.

    Dennoch, und diese Frage verfolgt mich, seit ich Deinen Blog lese, frage ich mich, wie sich das, was Du beschreibst, auch in einen Alltag umsetzen lässt, der sich ja nun nicht immer so ganz selbst bestimmen lässt. Ich will hier gar nicht von Sachzwängen sprechen, eher davon, dass jedeR von uns ja auch mal davon betroffen sein kann, krank oder behindert zu werden. Oder er hat kranke Angehörige, um die er sich kümmern muss. Was ist, wenn sich das, wofür mein Herz schlägt, einfach nicht umsetzen lässt, weil mir Grenzen gesetzt sind?

    Ich weiß nicht, ob es überhaupt möglich ist, dafür Antworten zu finden, aber da ich privat und beruflich immer wieder Menschen erlebe, denen dies passiert, komme ich einfach nicht um diese Frage herum…

  3. Hallo Alice
    Ich kann deine Gefühle sehr gut nachvollziehen. Ich selbst lebe seit mehr als 3 Jahren aus dem Rucksack und kann mir eine Rückkehr in ein konventionelles Leben kaum noch vorstellen.

    Einer meiner Lehrer auf meiner Reise hat einmal gesagt, dass wenn man aus seinen gewohnten Strukturen ausbricht und außerhalb der Gesellschaft lebt, und dann zurückkommt in die Gesellschaft, es die Fähigkeit ist innerhalb der Gesellschaft aber „off the grid“ zu leben (mir fällt dazu keine passende Übersetzung ein).

    Aber das ist eine Frage, die einen nach diesem Schritt irgendwie das ganze weitere Leben begleitet. Mit der Rückkehr erlernt man wieder eine Innen-Perspektive, die blind für viele Dinge macht, die in dieser Gesellschaft nicht gut laufen. Aber man hat auch eine Perspektive von Außen auf die Gesellschaft, die andere Dinge in den Fokus rückt und die Prioritäten verschieben kann. Die Flexibilität, zwischen diesen Perspektiven zu wechseln, und beide als Puzzleteil zur Wahrheit zu betrachten, bedeutet für mich Freisein.
    Ich wünsche dir (und bin davon überzeugt) dass du in in diesem Spannungsfeld erfolgreich navigierst.

    Alles Liebe
    Daniela

  4. Sei total und lebe in Freude.
    Die ZWEIFEL VERSCHWINDEN VON GANZ
    alleine.
    Dieser Zeitenwandel fordert geradezu
    Dazu heraus, ganz sein eigenes DING
    zu machen.
    Und wer könnte etwas gegen Freiheit und
    Freude im HIER JETZT SEIN
    einwenden.
    Die alte Wertegesellschaft ächzt
    – die persönliche Transformation ist die
    Beste Wahl.
    Alles Gute

  5. Hallo meine liebe kleine „Schwester“
    Mit Pipi in den Augen habe ich Deinen Bericht gelesen und freue mich soooooooo unendlich für Dich, freue mich, dass Du es geschafft hast Deinen Traum und den Traum so vieler Menschen zu Leben, freue mich über Deine Stärke und freue mich über Deine Buwußtheit.
    Ich wünsche Dir von Herzen, das Du auf Deinen neuen Wegen die Höhen mit Freude und die Tiefen mit Gelassenheit erleben kannst, gleichwohl wissend, dass Du es auch ohne meine Wünsche genauso tun wirst!!!!
    In Liebe Dein Boris

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