Nordthailand – Abenteuer, Kultur, Land & Leute

Raus aus Bangkok. Raus aus der Betonwüste. Raus aus dem Verkehrschaos. Weg von dem Gestank, dem Lärm und den vielen Menschen. Hinein in die Natur. Hinein in das wirkliche Leben. Hinein in die thailändische Kultur. Landluft schnuppern, die grüne bergige Landschaft genießen. Den Konzerten der Grillen, Vögel und Frösche zuhören. Reisfelder bestaunen. Als einziger Tourist einen Markt besuchen. In neugierige thailändische Gesichter schauen und mit Händen und Füßen verständigen. Eine Trekkingtour durch den thailändischen Jungle machen und in abgelegenen Bergdörfern missionierter Nomadenstämme übernachten. Nordthailand – so schön kann es sein!

Thailand: Süden vs. Norden

Und genauso habe ich die letzten drei Wochen verbracht, genossen und wahrgenommen.
Nachdem ich nun einen Teil des thailändischen Nordens kennengelernt habe, ist mir nun klar, dass der Süden Thailands nichts mehr wirklich mit Thailand und der ursprünglichen Kultur und Lebensweise zu tun hat. Es gibt hier und da noch ein paar Überbleibsel und als Neuankömmling bekommt man eine Idee von der thailändischen Kultur und Lebensweise. Im Süden ist aber einfach alles auf den Tourismus ausgelegt. Die Infrastruktur ist für Ausländer bestens ausgelegt und man muss sich für nichts anstrengen. Überall bekommt man Bus- oder Zugtickets von einem Ende zum anderen Ende oder auf eine Insel seiner Wahl. Nichts ist kompliziert und eigentlich ist auch nach wenigen Tagen nichts mehr wirklich fremd, denn schließlich wird im Süden Thailands alles auf die Bedürfnisse des westlichen Touristen angepasst. Damit wird klar, warum es so viele Touristen hierherzieht. Und natürlich gibt es die vielen tollen Strände und das alles auch noch zu so niedrigen Lebenshaltungskosten.
Aber wo bleibt da die thailändische Kultur? Dafür scheint nicht mehr genug Platz da zu sein und scheinbar wird das von der Masse des Tourismus auch gar nicht gefordert. Ist auch gut so, sage ich mir. Soll der Massentourismus ruhig im Süden Thailands bleiben. So bleibt die Schönheit, Unversehrtheit und Ursprünglichkeit im Norden Thailands länger bestehen. Und glücklicherweise hat der Norden Thailands ja auch gar keine Strände, sodass sich die partysuchenden Strandurlauber wohl kaum in den Norden Thailands verirren werden.

Thailand ist auch gerade wegen seiner Vielfältigkeit einfach ein tolles Land.

Von Bangkok nach Chiang Mai

Schon nach wenigen Tagen wurde es mir in Bangkok zu bunt und ich beschloss spontan nach Chiang Mai in den Norden Thailands zu reisen. Ich wusste, dort ist Regenzeit und genau aus diesem Grund fand der Norden Thailands in meiner Reiseplanung eigentlich überhaupt keine Beachtung. Doch nun war ich in Bangkok und wartete auf mein Visum für Australien. Ich hatte keine Ahnung, wie lange das noch dauern sollte und ich spürte, wie mir diese laute, dreckige und stinkige Stadt so langsam den Atem raubte und mir meine Stimmung vermieste. Über Chiang Mai hatte ich schon einiges Gutes gehört und über den Norden Thailands im Allgemeinen sowieso. Also beschloss ich, mir noch am selben Tag einen Flug nach Chiang Mai zu organisieren. Das ist bequem und geht schnell, dachte ich mir. Es kostete mich ca. 25€. Und tatsächlich saß ich schon wenige Stunden später im Flugzeug und überblickte aus meinem Flugzeugfenster diese scheinbar nie endende grüne Landschaft. Wow. In diesem Moment hatte mich meine Begeisterung zurück. Ich wurde nervös und rutschte auf meinem Sitz herum, immer wieder aus dem Fenster blickend. Dabei malte ich mir aus, was ich hier nun alles machen könnte. Ich freute mich so sehr auf die Natur, auf milderes Klima und auf ein anderes Thailand, als ich es bisher kennengelernt hatte. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich nicht einmal, was mich die kommenden Wochen erwarten würde.

Chiang Mai ist tatsächlich im Gegensatz zu Bangkok beschaulich, klein und nett. Es gibt hier wundervolle Märkte, übersichtliche Straßen zum bummeln und freundliche Unterkünfte. Außerdem kann man von hier aus weitere Touren ins Land planen. Wer Lust hat, mietet sich günstig ein Auto und erkundet den Norden Thailands auf eigene Faust. Ansonsten gibt es aber auch hier genügend Touristenorganisationen und Veranstalter, die verschiedenste Touristenattraktionen, wie z.B. Elefantenreiten auf armen gequälten Elefanten anbieten.

Thailand - Chiang Mai-0897

Nachdem ich in Chiang Mai zu einem unschlagbaren Preis ein absolutes Luxusapartement für mich ganz alleine hatte, wurde es mir auch hier zu langweilig und ich wollte etwas unternehmen.

Thailand - Chiang Mai-0832

Von einem Touristenveranstalter wollte ich mich nicht wie Massenware abfertigen lassen und eine Automietung stand für mich alleine außer Frage, da ich mich immer noch nicht wirklich an den Linksverkehr auf den Straßen gewöhnen konnte.

Pferde in Thailand

Ich dachte über die Pferderanch im Norden Thailands nach, die ich schon vor Beginn meiner Reise im Internet ausfindig gemacht hatte. Ich fand heraus, dass sie gar nicht weit entfernt von Chiang Mai lag und so schrieb ich eine Mail und fragte, ob sie Unterstützung und Hilfe bei den Pferden gebrauchen könnten. Schon kurze Zeit später bekam ich eine positive Antwort von Boris, dem deutschen Auswanderer, der die Thai-Horse-Farm zusammen mit seiner thailändischen Familie seit ca. 15 Jahren leitet. Noch am selben Tag trafen wir uns im Zentrum von Chiang Mai und lernten uns bei interessanten Gesprächsthemen etwas näher kennen. Schnell war uns beiden klar, dass wir uns verstehen und die Chemie passt. Und so begann mein Abenteuer auf der Thai-Horse-Farm.

Die Farm liegt im ca. 2 Stunden entfernten Phrao, einem Ort, der noch Teil der Chiang Mai Provinz ist, aber vollkommen tourismusbefreit und ursprünglich ist. Es wurden zwar auch schon hier einige Bungalowanlagen und Unterkünfte für den erwarteten Tourismus gebaut, doch Boris meinte, diese stehen schon seit Beginn an immer leer, den nur sehr wenige Touristen verirren sich auf ihrer Durchreise mit dem Moped oder dem Auto in diesen Ort. Eine Busanbindung oder Zugverbindung nach Phrao gibt es nicht.

Authentisches Thailand in Mitten einer Großfamilie

Die folgenden zwei Wochen brachten mir Thailand so nah, wie ich es mir nicht einmal erträumen hätte können.

Ich lebte in Mitten der Familie, die für sich alleine aus sieben Personen bestand. Doch in Thailand ist die Verwandtschaft groß, besonders in ländlich geprägten Gebieten und so war es die Regel, dass ständig jemand aus der Familie zu Besuch war und in der Regel auch für mehrere Tage blieb.

Tagsüber kümmerte ich mich um die Pferde. Die Pferde mussten regelmäßig gefüttert werden und sie freuten sich über Fellpflege. Das, was die Pferde fraßen verteilte sich natürlich jeden Tag wiederum als Pferdemist über den gesamten Auslauf, was ich schweißgebadet oder auch mal mitten im strömenden Regen mit Schaufel und Schubkarre wieder einsammelte. Zu meiner Freude konnte ich mich auch einigen Pferdehufen widmen und raspelte Horn, bis mir der Schweiß von der Stirn tropfte.

Es war schön, wieder eine Aufgabe zu haben, mich körperlich zu betätigen und Verantwortung zu übernehmen. Auch wenn es anstrengend war, dreckig und mir die Arbeit Blasen in die Hände trieb, so fühlte ich mich wirklich gut und war zufrieden. Abends fiel ich dann völlig erschöpft aber vollkommen zufrieden ins Bett und konnte schlafen, wie ein Stein.

Im Haus erlebte ich tagtäglich das übliche Familienleben. Es wurde gequatscht, gekocht, und gegessen. Die Kinder sprangen umher und es war einfach ständig etwas los und es war, vor allem für meine Verhältnisse, ständig laut. Für mich, die als Einzelkind groß geworden ist, die immer ein eigenes Zimmer hatte und grundsätzlich viel Ruhe und genügend Rückzugsmöglichkeiten hatte und auch brauchte, war dieses Leben in Mitten der thailändischen Familie ein Extrem, was ich mir eigentlich nicht zugemutet hätte.

Für die gesamte Familie gab es nur ein Bad, mein Bett stand in einem Durchgangszimmer, die Thais scheinen grundsätzlich lärmresistent zu sein und verhalten sich auch häufig so. Mit dem Großteil der Familie konnte ich mich nur mit Händen und Füßen verständigen und natürlich ist die Kultur eine ganz andere. Von Außen betrachtet und wenn man mich kennt, so klingt das alles verrückt und man kann sich schnell fragen, wie ich das zwei Wochen aushalten konnte 😉 Doch es war einfach eine wundervolle Zeit. Ich würde behaupten, dass diese zwei Wochen mir Thailand am nächsten gebracht haben von meiner gesamten Reise. Diese zwei Wochen waren nicht wie Urlaub am Meer, mit Fruchtshake in der Hängematte. In diesen zwei Wochen habe ich authentisches Leben in Thailand erfahren und es war unglaublich. Ich brauchte die ersten Tage zu Eingewöhnung und um mich an den Rhythmus anzupassen, aber von da an fühlte ich mich einfach nur wohl. Neben besten thailändischen Mahlzeiten überraschte mich Boris regelmäßig mit tollsten deutschen Gerichten.

Trekkingtour durch Thailand auf dem Pferderücken

Reittour - Nordthailand-0939

Das Highlight dieser gesamten Zeit waren jedoch mit Abstand die zwei mehrtägigen Reittouren, die ich begleiten durfte. Auf den kleinen Himalaja-Bergpferden ging es vorbei an Reisfeldern und Obstplantagen in die thailändischen Berge, über unbefestigte Straßen, auf kaum erkennbaren Junglepfaden mit Bambus, Eukalyptus, Spinnen und auch mal einer Schlange. Es ging zu Fuß steile Berghänge hinauf und wieder runter und es war einfach faszinierend, wie trittsicher und erfahren diese Pferde die Wege meisterten.

Das Nachtlager wurde aufgeschlagen in einem absolut abgelegenen Bergdorf. Hierhin verirrt sich tatsächlich gar kein Tourist, doch dank Boris und seiner Thai Horse Farm war es den jeweils zwei Reittourteilnehmern und mir vergönnt, diesen Teil der Erde zu erleben und zu bestaunen.

Thailand - Phrao-06

Versteckt in einem Tal, paradiesisch mit einem rauschenden Fluss durchzogen, Bananenbäumen, ein paar Rinder, Hühner, Hunde, Katzen. Hütten aus Bambus mit eigener Feuerstelle im Haus, authentische thailändische Hocktoiletten und zum Duschen schöpft man mit einer Kelle Wasser aus einem großen Behälter und gießt es sich über den Körper. Geschlafen wird zusammen in einem großen Raum. Der selbe Raum, in dem gekocht, gegessen und gemeinsam gelebt wird. Einfach großartig!!!

Reittour - Nordthailand-1243

Es gibt gar nicht genügend Worte oder Bilder, um alles zu beschreiben und um meine Begeisterung richtig auszudrücken. Man muss es einfach erleben. Einmalig und atemberaubend.

Australien, ich bin schon fast da!

Heute ist der letzte Tag der Gültigkeit für mein Thailand-Visum und genau heute, nach vier Monaten, werde ich das Land und den Kontinent verlassen und in Australien einfliegen.
Vorgestern bin ich in Chiang Mai in den Zug gestiegen und in einer 14-Stündigen Zugfahrt nach Bangkok gefahren. Es war recht komfortabel, den mein Sitzplatz wurde zu den Abendstunden in einen Schlafplatz umgewandelt und so habe ich die meiste Zeit der Zugfahrt geschlafen. Vom Hauptbahnhof aus machte ich mich via Metro, Skytrain und Cityline auf in Richtung Flughafen, denn auf die Bangkok-Innenstadt hatte ich nun wirklich überhaupt keine Lust mehr.
Ich hoffte auf eine Unterkunft für einen Nacht im Randgebiet von Bangkok, etwa eine oder zwei Bahn-Stationen vor dem Flughafen. Doch dort fand ich nur erstaunte Gesichter, aber nicht wirklich eine passende Unterkunft. Touristen scheint es hier wohl nicht häufig zu geben. Also fuhr ich zurück zum Flughafen. Es war nun Montag, 12 Uhr Mittags und ich hatte noch mehr als 24 Stunden, bis ich für meinen Flug einchecken konnte. Ich ging zum Schalter meiner Fluggesellschaft und fragte, ob ich meinen morgigen Flug auf heute umbuchen könnte, aber der Flug war schon voll. Was nun?

Dann dachte ich mir, warum nicht? Auch das will ich einmal erlebt haben. Einmal eine Nacht im Flughafen verbringen 😉

24 Stunden am Flughafen in Bangkok

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Für die kommenden 24 Stunden wurde mir mein Kofferwagen mein treuester Freund, denn er brachte mir viel Entlastung für meinen Rücken und so konnte ich Stunde für Stunde in den Etagen und Gängen des Flughafens umher schlendern, essen, trinken, sitzen, die Menschen beobachten, einen Fragebogen ausfüllen, lesen, meine Kopfhörer kleben statt neue zu kaufen, Musik hören, nachdenken, im Internet surfen (2 Stunden gratis) und mir schließlich, wie viele andere auch, einen halbwegs ruhigen Schlafplatz auf einer freien Sitzbank suchen.

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Es hat schon was für sich, wenn man morgens zerknautscht auf einer Sitzbank aufwacht und Reisenden beobachtet, die mit ihren Trollys und interessierten Blicken auf das eigene Schlaflager an einem vorbei huschen. Wie Zuhause gähnte und streckte ich mich erst einmal, schaute um mich und wachte allmählich auf, zusammen mit dem immer stärker werdenden Treiben im Flughafen.

Thailand - Flughafen-1311

Mein Freund der Kofferwagen und ich machten uns auf zur nächsten Toilette, wo ich alles erledigen konnte, was man halt so am Morgen erledigte. Dann besorgte ich mir wenige Meter weiter meinen Frühstückskaffee und suchte mir eine freie Bodensteckdose versteckt hinter irgendeiner Standsäule für Internet und Telefonate und gönnte auch meinem Handy und Notebook neue Energie für den Tag. Und da sitze ich nun auf meinem Rucksack im Kofferwagen mit meinem Notebook auf dem Schoß und schreibe diesen Artikel. 🙂

Thailand - Flughafen-1316

Schon in ca. zwei Stunden kann ich einchecken und dann bin ich schon fast in Australien!

 

2 thoughts on “Nordthailand – Abenteuer, Kultur, Land & Leute”

  1. Chiang Mai…. ebenfalls eine meiner besseren Erinnerungen an Thailand (die nicht allzu gut sind, da ich vorwiegend im Süden war)
    Nun auf zu neuen Horizonten.
    Good luck and take care! Ich kann kaum erwarten Neuigkeiten zu lesen/sehen.

    Alles Liebe. Claudia

  2. Liebstes Schnuckel,
    danke für Deinen wiedermal wirklich tollen Artikel! Ich war irgendwie wieder ein bisschen mit dabei und Deine Begeisterung hat mich erneut angesteckt!!!
    Hoffentlich bist Du gut in Australien angekommen und hast bald wieder was für uns zu berichten 🙂

    Ich freu mich drauf!!!!

    Ich liebe Dich!
    Deine Mama

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