Selbstfindungstrip in Thailand

Als ich anfing meine Reise zu planen, den Job aufzugeben und die Wohnung aufzulösen war ich insgesamt noch sehr verunsichert und fühlte mich in gewisser Weise alleine damit. Ich hatte etwas Angst vor all dem Ungewissen, was mich in den kommenden Monaten erwarten würde. Kurz vor meiner Abreise hatte ich mehr Zweifel und Ängste, als Freude und Begeisterung. Aber ich bin dennoch gestartet und soooooo glücklich darüber 🙂

Selbstfindung in Deutschland ein Fremdwort?

In Deutschland in meinem direkten Umfeld musste ich gezielt nach Menschen suchen, die es gewagt haben, aus der alt bekannten und sicheren Tretmühle auszusteigen und was Neues zu wagen.

Je mehr ich im Vorfeld jedoch über meine Reisepläne und meinen Ausstieg aus meinem Job erzählte, um so mehr Menschen erzählten mir von ihren ähnlichen Erfahrungen aus der Vergangenheit, mehrmonatigen Reisen und dem tiefen Wunsch wieder auf Reise zu gehen oder einen anderen Job mit mehr Spaß auszuüben. Durch diese Menschen und Geschichten wurde meine Motivation noch weiter beflügelt und meine Freude sowie Begeisterung wuchs mit jeder dieser Geschichten.

Mein Gefühl sagte mir, dass es genau das Richtige ist, was ich tue.

Doch genauso hörte ich viele gegenteilige Stimmen und besorgniserregende Geschichten. Ich erfuhr von tragischen Unfällen und wurde regelmäßig dazu angehalten, gut auf mich aufzupassen und mich vor Gefahren in Acht zu nehmen. Nach solchen Geschichten fing ich häufig an zu zweifeln und fragte mich immer wieder, ob meine Entscheidung die Richtige ist.

Dieses ständige durch Dritte erzeugte Auf und Ab der Gefühle, zuerst Begeisterung und dann wieder Zweifel, ist faszinierend. Denn wenn du nicht aufpasst und auf dich selbst hörst, dann lässt du dich zu stark von den Meinungen und Erfahrungen anderer beeinflussen und schlägst vielleicht eine Richtung ein, die nicht dir entspricht.

Die Angst bestimmt das Leben vieler Menschen

Seit ich in Thailand unterwegs bin und so viele Menschen aus fremden Ländern und Kulturen kennenlerne, wird mir das eigene Land, die eigene Kultur und meine Herkunft und Sozialisierung deutlich bewusster.

In Deutschland steht das Gefühl der Sicherheit ganz weit oben. Der Deutsche plant weit in die Zukunft, damit möglichst alle Gefahren und Unannehmlichkeiten bereits im Vorfeld kontrollierbar sind und abgesichert sind. Für uns ist es normal eine private Rentenversicherung, einen Bausparvertrag, eine Lebensversicherung, eine Unfallversicherung, eine Hundehaftpflicht und eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung zu besitzen. Alles und jeder wird versichert, aus Angst und Unsicherheit!

Angst schafft das Bedürfnis nach Sicherheit

Mit unserer Angst wird gespielt. Denn Angst ist eine wunderbare Grundlage um das Bedürfnis nach Sicherheit zu schaffen. Und bei Angst ist das Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit enorm groß. Und wenn man sich mal die Masse an Versicherungsgesellschaften, die Vielzahl an Produkten und deren Umsätze anschaut, dann wird schnell klar, wie angsterfüllt der Deutsche doch eigentlich ist.

Und viele Unternehmen machen genau mit diesen unseren Ängsten verdammt viel Geld. Danke dir, Mensch, dass du dich selbst veräppelst!

Ängste hindern uns in unserer Entwicklung

Und nicht nur das. Unsere tief verwurzelten und schon von der Kindheit geprägten Angstgefühle hindern uns daran, uns über unsere Wünsche und Träume bewusst zu werden und unser Leben ab und zu in Frage zu stellen und auch mal zu wagen, etwas zu ändern.

Unsere Ängste treiben uns so weit, dass wir unser Leben darauf ausrichten, dass alles möglichst sicher, ohne Gefahren und vor allem bequem und jederzeit für uns kontrollierbar ist. Und das auch noch für möglichst lange Zeit in die Zukunft. Wir schließen private Rentenversicherungen ab, von der wir hoffentlich in 40 Jahren ein paar Cents sehen. Ob wir von diesem lang angesparten Geld tatsächlich etwas bekommen, ob wir dann überhaupt noch leben, wo wir leben und ob wir gesund genug sind, um unser Leben auf die alten Tage zu genießen und ob wir das Geld dann überhaupt noch benötigen, ist vollkommen ungewiss.

Das ist uns aber auch egal, denn das Wichtigste ist, dass wir uns in diesem aktuellen Moment sicher fühlen.

Was war eigentlich zuerst da? Die Angst oder das Bedürfnis nach Sicherheit? Und woher kommt diese tief verwurzelte Angst eigentlich? Ich habe da mal wieder die Medien und weit in der Vergangenheit auch die Kirche im Verdacht, aber ich lasse diese Frage gerne als Diskussionspunkt offen 😉

Wer Lust hat, schreibt mir dazu seine ganz eigene Meinung in die Kommentare. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt.

Angst vs. Mut? Was gewinnt?

Wir Deutschen wollen uns sicher fühlen, damit wir für alle möglichen Unannehmlichkeiten, die uns Angst bereiten, abgesichert sind und uns keine Sorgen darüber machen müssen. In Wahrheit machen wir uns doch trotzdem die ganze Zeit Sorgen, unabhängig davon, ob wir eine Versicherung haben oder nicht. Schon in der Kindheit lernen wir Angst zu haben, anstatt zu lernen mutig zu sein und etwas zu wagen.

Kinder dürfen heute kaum noch auf Bäume klettern, ohne besorgte Rufe der Eltern zu kassieren. So gut es geht versuchen die Eltern ihre Kinder in Watte zu packen und vor allen möglichen Gefahren zu schützen. Nun mag der ein oder andere jetzt denken: „klar doch, das ist doch normal. Ich liebe mein Kind und ich möchte nicht, dass ihm etwas zustößt“ – Dem stimme ich zu. Doch für mich stellt sich die Frage, was das Kind denn tatsächlich lernt, wenn wir ihm ständig sagen, was es lieber nicht tun soll und dass es auf dies und das aufpassen muss. Das Kind soll die heiße Herdplatte nicht anfassen, nicht auf Bäume klettern, nicht mit fremden Menschen sprechen und immer einen Helm tragen, wenn es mit seinem Bobby Car durch die Spielstraße fährt.

Was lernt das Kind hier wirklich? Es lernt, Angst zu haben. Angst vor neuen Herausforderungen, Angst vor fremden Menschen, Angst vor der Welt. Es lernt, manche Dinge lieber nicht auszuprobieren, weil es gefährlich sein könnte.

Was es nicht lernt, ist mutig zu sein, sich neuen Herausforderungen und schweren Situationen zu stellen und damit umzugehen.

Mut wird nicht gefördert. Stattdessen schließt man lieber eine Versicherung ab.

Verrückt diese Welt!

Das Erwachen – der erste Schritt zur Selbstfindung

Wenn die Kinder dann irgendwann mitten im Berufsleben stehen und sich eine sichere und bequeme Zukunft aufgebaut haben, dann kommt vielleicht irgendwann mal der Moment, in dem man sich fragt, ob das alles so das Richtige für einen selbst ist. Jeder macht sich irgendwann mal Gedanken über den Sinn des Lebens. Auch mir ging es und geht es so. Doch als ich anfing mir die Fragen zum Sinn des Lebens zu stellen, wurde ich immer unglücklicher, unzufriedener und letztendlich depressiv. Ich wurde immer verschlossener und sehr unsicher. In Menschenansammlungen fühlte ich mich unwohl und zu den üblichen Gesprächen konnte ich nichts mehr beitragen, denn es schien alles so sinnlos für mich. Ich fragte mich, was mit mir nicht stimmt und warum geht es eigentlich allen anderen so gut und nur mir nicht? Ich fühlte mich in meiner Welt mit meinen Gedanken allein gelassen und unverstanden. Da lag es nahe über eine Therapie nachzudenken, die aus mir wieder einen „normal funktionierenden“ Menschen machen sollte, damit ich mein Leben, wie bisher weiterführen konnte.

Doch ich entschied mich für einen anderen Weg.

Selbstfindung an fremden Orten und mit fremden Menschen

Bereits 2013 habe ich mir eine dreimonatige Auszeit von meinem Job genommen und verbrachte sechs Wochen in Norwegen an einem sehr naturverbundenen Ort, Tinas Traumtal, abseits von großen Städten, Autolärm und Reklametafeln. Diese Zeit war so heilsam, wie ich es mir in meinen besten Träumen nicht hätte vorstellen können.

Auf einmal fühlte ich mich wieder gut und verspürte eine große Lust und Freude für mein Leben. Meine Sorgen und Ängste waren wie weggeblasen. Stattdessen fühlte ich große Begeisterung, Tatendrang und war voller Spannung darüber, was das Leben mir noch zu bieten hat.

So entwickelten sich meine Pläne, den Job zu kündigen und mich auf unbestimmte Zeit auf die Reise zu machen, letztendlich um mich selbst besser kennenzulernen und das Leben zu genießen. Die ersten Schritte zur Selbstfindung waren getan.

Thailand ist ein Paradies für Menschen, die auf der Suche sind

Schon nach einem Tag in Thailand konnte ich zu meiner Ernüchterung aber auch Freude feststellen, dass ich nicht alleine bin. Jeder Reisende, den ich auf meinem Weg treffe, und ich treffe wirklich viele Reisende, erzählt mir eine ähnliche Geschichte. Jeder scheint auf seine Weise auf einer Reise zu sich selbst zu sein und erlebt seinen ganz persönlichen Selbstfindungstrip.

„Meinen langweiligen Job Zuhause habe ich vor fünf Monaten aufgegeben und nun versuche ich einen anderen Weg zu finden, um Geld zu verdienen.“;

„Ich habe mir eine mehrmonatige Auszeit genommen, weil ich nun endlich gerne etwas von meinem Leben und dem hart verdienten Geld haben möchte.“;

„Seit über 20 Jahren reise ich in der Welt herum und es finden sich immer irgendwelche Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Ab und zu fahre ich nach Hause“;

„Ich arbeite ein halbes Jahr und verreise dann für das Geld die andere Hälfte des Jahres. So mache ich das nun schon seit fünf Jahren.“;

„Pläne? Ich habe keine Pläne. Ich tue einfach das, was mir Spaß macht!“

Ich brauche gar nicht großartig viel zu sagen, denn jeder hier weiß Bescheid. Jeder kennt das Leben in industrialisierten Ländern, jeder ist sich den Auswirkungen des Kapitalismus bewusst.

Und genau deshalb sind wir hier!!! Und wir genießen JETZT das Leben!

2 thoughts on “Selbstfindungstrip in Thailand”

  1. Hi Alice

    Projekt Abenteuer frei sein –
    Genau das ist es.

    Folge zu dir selbst.
    Du machst es richtig.

    Nach ein paar Reisen – Neuseeland, Indien
    Auch 1x Thailand bin ich im spirituellen
    Leben gelandet.
    Sathya Sai Baba
    Buddha
    Sei du selbst

    Manfred – Busfahrer jetzt in Köln 59 Jahre.

    Ich bereite mich auf den endgültigen Absprung vor.

    Sein Bewusstsein Glückseligkeit

    Du hast schon viel erreicht – das sehe ich an
    Deinem schönen lächeln und Thailand ist
    Wunderbar.
    Alles Gute
    Manfred

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