(Über-)Leben auf einer Pferderanch in Australien

Warum tue ich mir das alles eigentlich an? Mein ganzer Körper schmerzt, meine Gelenke, meine Muskeln. Jeden Tag neue Verletzungen oder blaue Flecken. Meine Hände sind unheimlich rau, aufgerissen und sehen hässlich aus. Jeden Morgen um 6 Uhr aufstehen und die Tiere versorgen, dann schnell frühstücken und den restlichen Tag weiter unter Druck arbeiten und jede Aufgabe möglichst schnell und ohne Fehler erledigen. Andernfalls gibt’s vom Chef eins auf den Deckel. Dazwischen zwei Stunden Pause, mal auch weniger.

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Abends, wenn es dunkel wird heißt es Abendessen zubereiten, duschen, aufräumen und ansonsten bleibt nicht mehr viel Zeit und vor allem keine Energie, um noch irgendetwas anderes zu machen. Totmüde und erschöpft falle ich jeden Abend ins Bett, bis mein Wecker kurz vor 6 Uhr am Morgen wieder klingelt und der Tag neu beginnt. Wir sind in der Regel zwei bis drei Personen, die sich die Arbeit teilen. Einen Tag pro Woche haben wir frei, wobei sich das nur auf die Stunden zwischen der Morgen- und Abendfütterung beschränkt. Es heißt also auch an diesem Tag um 6 Uhr morgens aufstehen.
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Warum bin ich eigentlich noch hier?

Ich bin frei und unabhängig und könnte jederzeit gehen. Aber um ehrlich zu sein, mir geht es gut. Kaum zu glauben, aber wahr. Ich lebe meinen Traum! Jeden Tag arbeite ich mit verschiedenen Pferden, habe viel Spaß dabei und lerne ständig dazu.

 

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Dennoch frage ich mich regelmäßig, „Warum tue ich mir das alles an? Muss die Arbeit denn wirklich so hart sein und brauche ich etwa den Druck von oben? Warum versuche ich ständig noch besser und schneller zu werden? Der Boss lässt nicht selten seine schlechte Laune an uns Helfern aus und übt immer wieder neuen Druck aus? Ich bin dann zwar zunächst wütend, aber versuche es dennoch beim nächsten Mal besser zu machen. Warum bevorzuge ich nicht das leichte Leben und suche mir einen entspannteren Ort?
Es gibt hier dann doch wohl genügend Ausgleich. Die Arbeit mit den Pferden und all die anderen Tiere, die Natur, der eigene Gemüsegarten und nette Menschen.

 

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Leben und Arbeiten in Gemeinschaft – unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Gewohnheiten

Wir Helfer, aktuell drei (Deutschland, Frankreich, Taiwan), leben zusammen unter einem Dach. Wir schlafen in einem Raum, essen zusammen und müssen unsere Wochenration an Essen gut einteilen sowie für einen geordneten Haushalt sorgen. Einige der täglichen Farmjobs erledigen wir in Teams, teils alleine.
Es ist also zusätzlich zum Druck von oben viel guter Teamgeist gefragt, mitdenken, zügiges Arbeiten sowie eine positive Arbeitseinstellung. Das funktioniert leider nicht immer besonders gut.

 

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Auch das Zusammenleben muss funktionieren, ansonsten gibt es miese Stimmung. Den Druck von oben geben wir untereinander weiter. Wer zu langsam ist, morgens um 6 Uhr nicht auf der Matte steht, zu viele Fehler macht, nicht beim Kochen hilft oder für Ordnung im Haushalt sorgt, der bekommt das unmittelbar zu spüren, denn ansonsten müssen alle darunter leiden. Nicht einfach, aber wer mitdenkt und Humor und Freude mitbringt, der kann hier eine wirklich tolle Zeit verbringen.

 

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Zuckerbrot und Peitsche – Lachen hilft!

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Unser Boss stellt es ganz gut an. Wer gute Leistung erbringt, bekommt seine Anerkennung und erhält Lob und zusätzliche Verantwortung. Die zusätzliche Verantwortung wiederum führt dazu, dass z.B. in meinem Fall ich mich ebenso verantwortlich fühle für die Fehler der anderen Helfer. Also kontrolliere ich lieber selbst alles, bevor der Boss es tut, denn seinen Ärger möchte keiner abbekommen. Um dies zu vermeiden kontrollieren wir uns also alle selbst und üben Druck untereinander aus. Gleichzeitig versuchen wir jedoch eine harmonische Stimmung untereinander aufrecht zu erhalten, denn schließlich leben wir ja auch zusammen. Alles, was die Stimmung auflockert hilft. Interessante Gespräche, Witze, gegenseitige Neckereien , gemeinsames Kochen und besonders das Teilen von Süßigkeiten hilft!!!! 😉
Während der Arbeit kann es schon mal passieren, dass man plötzlich mit getrocknetem Pferdemist beworfen oder mit dem Wasserschlauch verfolgt wird. Ab und zu veranstalten wir Wettrennen bis zum nächsten Tor oder lachen uns kaputt, wenn wieder einmal jemand versehentlich einen Elektroschock am Zaun bekommen hat. Lachen hilft und tut gut! 🙂

 

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Wer hier nur für sich ist, sich der Gemeinschaft ausschließt, sich nicht beteiligt und ungern teilt, der sorgt für negative Stimmung in der gesamten Gruppe.

 

Was motiviert mich hier zu bleiben?

Das Leben mit den anderen Helfern zusammen macht Spaß. Die gemeinsame Arbeit im Team schweißt zusammen und es ist schön, zu teilen.
Ohne diese Menschen wäre ich schon längst nicht mehr hier.
Mein Arbeitsplatz ist draußen in der Natur mit Pferden, Hunden, Rindern, Schafen, Hühnern und einem Schwein 😉
Und aus dem großen Gemüsegarten, den wir regelmäßig pflegen, versorgen wir uns selbst mit frischem Gemüse und Kräutern.

 

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Weitere Pläne?

Vielleicht bleibe ich noch länger, vielleicht auch nicht. Jeden Tag gibt es mindestens einen Moment, in dem ich darüber nachdenke. Viel hängt von den Menschen ab, mit denen ich hier zusammen lebe und arbeite. Und auch meine täglichen Aufgaben müssen eine Herausforderung für mich bleiben, denn andernfalls wird es langweilig. Fest steht jedoch, dass ich mindestens noch eine andere Farm hier in Australien besuchen möchte. Andere Menschen, andere Aufgaben und viel Neues zum Lernen. So bleibt es spannend!
Deutschland ist aktuell nicht nur geografisch gesehen weit weg für mich. Müsste ich schon jetzt wieder zurückfliegen, dann wüsste ich dort um ehrlich zu sein nichts so recht mit mir anzufangen…
Australien – so schnell wirst du mich also nicht los!
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2 thoughts on “(Über-)Leben auf einer Pferderanch in Australien”

  1. Liebe Alice nun zum Jahresende -Sylvester-möchten Deine Omi und Dein Opa Dir weiterhin alles Gute wünschen ,sowie das Du gesund bleibst–was ja bei Deinem Job unbedingt so bleiben muß–keine Stürze vom Pferd bei Deinen rasenden Ritt durch die Prärie. Sag wie sieht es denn mit dem melken aus? Ist das nur Schlachtvieh?
    Uns hat es sehr gefreut, als wir bei Gabi mit dem Leptop Dich sehen und hören konnten. Heute bist Du sicherlich wieder mit Gabi verbunden, so ist die Heimat dann ganz nahe gerückt.
    Wir-Omi und ich umarmen Dichund viele liebe Bussis-wünschen Dir weiterhin Gesundheit und Freude bei Deinem Abenteuer mit Känguruhs Ameisen Affen Waranen und Dingos ( hier in der Eifel züchtet ein Mann australische Dingos)Wir denken oft an Dich-viel Glück, Deine Omi und Dein Opa
    31.12.2014 19:16 ein gutes neues Jahr liebe Alice

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