Weihnachten in Australien

Weihnachten mal ein wenig anders. Dieses Jahr bin ich in Australien und hier ist es aktuell verdammt heiß und nicht selten noch dazu sehr schwül. Es ist Sommer und da schwitzt man schon allein beim Nichtstun.
Die Aussichten auf Schnee sind natürlich gleich Null, aber dafür hoffen wir hier täglich auf Regen, der Abkühlung verspricht und die Natur in leuchtendes grün verwandelt.

 

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Huntly – Rinderfarm in Australien (Queensland)

Vor etwa 2 Monaten bin ich hier in Huntly gelandet, einer Rinderfarm in Queensland mit 13500 Morgen Land (entspricht 5463,25 Hektar oder 54,63 km²) und etwa 2000 Rindern. Pferde, Hunde, Hühner und Katzen gehören ebenso dazu.
Die Farm wird von zwei Geschwistern betrieben und einem Farmmanager. Außerdem sind über das ganze Jahr verteilt Backpacker hier, die für Verpflegung und Unterkunft bei der täglichen Farmarbeit mithelfen, so wie ich auch.

Die Natur hier in Huntly ist genauso, wie ich mir Australien vorgestellt habe. In der Ferne nichts weiter als Natur, Vögel sowie viele Kängurus und ab und zu mit etwas Glück kann man auch Emus und Dingos beobachten.

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Bis zum nächstgelegenen Ort „Rolleston“ mit 129 Einwohnern (Stand 2011) sind es 60min. mit dem Auto über rote holprige Sandwege. In Rolleston gibt es einen kleinen Supermarkt für die nötigsten Dinge, einen Baumarkt zur Versorgung der umliegenden Farmen, einen Pub sowie ein Postoffice.

Für Elektrizität auf der Farm gibt es eine Landleitung. Ansonsten werden Solarenergie, Windenergie oder Dieselgeneratoren genutzt. Für die Wasserversorgung wird hier das Regenwasser gesammelt, in großen Behältern aufbewahrt und bei Bedarf in die Leitungen gepumpt. Der Briefkasten steht am Eingang der Farm und es ist definitiv zu weit, um vom Wohnhaus bis dorthin zu laufen.

Ohne fahrbarem Untersatz ist man hier auf jeden Fall aufgeschmissen.
Als ich eines Tages mit dem Quad unterwegs war um die Pferde zu suchen ist mir auf einmal der Sprit ausgegangen und so musste ich den kompletten Weg in der Mittagssonne zur Farm zu Fuß zurück laufen. Das hat mich mindestens eineinhalb Stunden und viel Schweiß gekostet. Doch eigentlich war es mir ganz recht und ich war dankbar über die Gelegenheit eines ausgiebigen Spaziergangs in der wilden Natur.

Dieses Jahr an Weihnachten bin ich nun also hier und das sogar beinahe völlig alleine. Nur der Farmmanager, Pete, ist noch hier, der in seinem Haus auf der Farm irgendwo zwischen Bäumen versteckt mit seinen zwei Hunden (Blue Cattle dogs) lebt.

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Die anderen Backpacker sind längst abgereist, verbringen Weihnachten in großen Städten, mit der Familie oder irgendwo am Strand. So auch die beiden Geschwister, die diese Farm betreiben.

Es ist schön hier zu sein. Es ist ruhig und ich habe endlich mal etwas Zeit für mich.
Ich spiele Gitarre, genieße Zeit mit den Hunden und Pferden und denke daran, was alles in diesem Jahr passiert ist.

Vor einigen Tagen überraschte mich Pete mit Christbaumschmuck, als er von einer mehrtägigen Tour zurückkehrte. Ich erwartete eigentlich nicht viel vom diesjährigen Weihnachten. Schließlich war hier dann doch alles so anders und bei meiner Familie konnte ich ja auch nicht sein.

Eukalyptusbaum statt Tannenbaum

Doch Pete plante tatsächlich einen Weihnachtsbaum aufzustellen und so machten wir uns auf den Weg einen geeigneten Baum in der Natur zu fällen. Er hatte eine genaue Vorstellung von einem ganz bestimmten Baum, doch leider fanden wir keinen einzigen, auch nicht nach über einer Stunde, die wir im Auto verbrachten.

Nach einer Weile erreichten wir am Ende der Farm das versteckte und wunderschöne „Hidden Valley“.

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Es ist wunderschön hier. Und hier entschieden wir uns dann auch für einen passenden Baum.

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Australia-Huntly-4437Statt Nadelbaum wurde ist es diesmal ein blättriger Eukalyptusbaum. Mit der Axt bewaffnet fällte Pete stolz den Baum, den wir bei mir im Haus aufstellten und in silber-gold festlich schmückten.

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Wie schön, dachte ich mir. Da geht Weihnachten doch nicht einfach so unbemerkt an mir vorbei.
Lustig ist allerdings, dass hier gar nicht am 24.12. gefeiert wird, sondern erst am 25.12. Und so verbrachten wir den 24.12. doch tatsächlich noch mit üblicher Farmarbeit und reparierten einige Zäune.
Allerdings hatte ich mir zuvor an diesem Morgen ein göttliches Weihnachtsfrühstück gegönnt. Es gab Kaffee und frische Pfannkuchen mit weltbester Schokoladencreme. Mmmhhhh lecker!

 

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Statt weiße Weihnachten wünscht man sich hier grüne Weihnachten (zumindest auf den Farmen) und wenn es regnet, dann ist jeder glücklich. Der Regen blieb zwar aus, aber dennoch ist es hier momentan wunderschön grün.
Insgesamt war dieses Weihnachten besonders ruhig, aber es kam tatsächlich deutlich mehr Weihnachtsstimmung auf, als ich erwartet hatte.
Die größte Freude bereitete mir die Videokonferenz via Skype mit meiner Familie um 6 Uhr morgens am 25.12. (deutsche Zeit 21 Uhr 24.12.), wodurch ich zumindest ein kleines bisschen das Gefühl von heimatlichem familiären Weihnachten aufschnappen konnte. Schöööön. Vielen Dank! Ihr seid die Besten! 🙂

 

Grüne Frösche in der Küche

In diesen Tagen habe ich fast täglich Besuch von kleinen grünen Freunden, die regelmäßig laut nach ihrem geschlechtlichen Gegenstück rufen und dabei behilflich sind, mich ein wenig von den vielen Insekten zu befreien. Süß, die kleinen, die gar nicht mal so klein sind. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich sogar schon mal ein paar Mal im Dunkeln beim Laufen den ein oder anderen mit meinen Füßen erwischt habe. Glücklicherweise haben alle bisher überlebt.

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Das ist sicherlich eine außergewöhnliche Weihnachtszeit, die ich wohl nie vergessen werden.
Und nun freue ich mich schon auf das Jahr 2015.

 

Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!

 

2 thoughts on “Weihnachten in Australien”

  1. Hi Schädsl,

    Schön, gerade an Weihnachten von Dir zu hören. Und es ist gut, dass es Dir da unten gut geht. Ich denke fest an dich, drücke dich und freue mich, wenn du wieder kommst.

    Gruß und Kuss, Anke

  2. Hi Alice,
    vielen Dank für Deinen Bericht aus einer anderen Welt : Hitze, Weite, bescheidene Einfachheit… .
    Bei aller Faszination für das Schöne und Besondere Deines derzeitigen Lebensumfelds ( Fotos!!!!), bin ich wirklich beeindruckt, wie jemand der so anders aufgewachsen ist, über so einen langen Zeitraum auch mit den Schattenseiten (??!)offensichtlich gut klar kommt. Du hattest für mich nie den Status des just-for-fun Reisenden, aber die Zähigkeit mit der Du Dein Weg suchst/findest/gehst ist trotzdem etwas besonderes. Irgendwas haben da Deine Eltern grundlegend richtig gemacht 🙂

    Hier in Walluf fällt gerade (doch noch) der erste Schnee und für mich persönlich gibt es nichts schöneres als morgens aufzuwachen und die ganze Umgebung sieht dick weiß gezuckert aus. Katze und Hund liegen eingerollt zufrieden schlafend im Trockenen und Warmen um mich herum, ein paar Urlaubstage machen aus dem Viel ein angenehmes Wenig! Es bleibt Zeit zurück- und vorauszuschauen, sich wieder neu einzunorden (oder -süden) UND mit Lieblingsmenschen Schlitten fahren zu gehen . Vllt ist der Schnee netterweise auch morgen noch da und ich kann mit Melvin statt durch den Matsch durch den Schnee reiten. Drück mal die Daumen!
    Dafür drück ich euch die Daumen für einen ordentlichen Landregen!

    Ganz liebe Grüsse
    Jana

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